Online: 30.10.2016 - ePaper: 31.10.2016

Mensch Lüchow-Dannenbergs: Kandidat Pablo Vollmer

ZoomPablo Vollmer ist das Gesicht des Minimal-Sommernachtstraums (MSNT) an der Blockhütte bei Starrel. Einmal jährlich steigt die Party während der KLP. Die Erlöse gehen vor allem an das Lüchower Frauenhaus. Bisher sind 19000 Euro zusammengekommen. Eine stolze Leistung für einen 27-Jährigen.

Von Benjamin Piel

Neritz. Mit einiger Sicherheit ist Pablo Vollmer aus Neritz der jüngste Großspender Lüchow-Dannenbergs. 19000 Euro hat er innerhalb der zurückliegenden fünf Jahre vor allem ans Lüchower Frauenhaus und an den Arbeitskreis Asyl und Bleiberecht gespendet. Eine beeindruckende Summe für einen gerade einmal 27-Jährigen. Er hätte das Geld, das bei der jährlich steigenden Party Minimal-Sommernachtstraum (MSNT) an der Blockhütte bei Starrel zusammengekommen ist, die Vollmer organisiert, nicht spenden müssen. Er hätte das Geld nehmen, es in die eigene Tasche stecken und eine Weltreise machen können. Aber dergleichen kam dem Mann, der nach seiner Ausbildung zum Zimmermann gerade ein Studium der Philosophie und der Politikwissenschaft in Berlin aufgenommen hat, nie in den Sinn.

Er findet auch gar nicht, dass es etwas sehr Besonderes ist, das Geld gespendet zu haben, für ihn war das eher eine Selbstverständlichkeit. Nicht zuletzt seine Mutter Lilly Vollmer habe ihn früh gelehrt, dass es wichtig sei, nicht nur an sich, sondern an andere zu denken. Im Falle Pablo Vollmers hatte diese Botschaft handfeste und für seine Mitmenschen positive Folgen. Auch, dass ein junger Mann sich für das Frauenhaus interessiert, ist eher ungewöhnlich. Aber die Einrichtung hatte während der Kulturellen Landpartie (KLP) mehrfach auf dem Hof seiner Mutter in Bülitz aus- und ihre Arbeit vorgestellt. Pablo Vollmer hat tief beeindruckt, wie sich dort Frauen für Frauen einsetzen, wie sehr sich die dort Arbeitenden immer wieder mit leid- und konfliktvollen Situationen auseinandersetzen müssen. Das wollte er unterstützen, zumal das Frauenhaus notorisch unterfinanziert ist.

Eine große Sache will Vollmer aus der ganzen Sache aber eigentlich gar nicht machen und es ist ihm auch etwas unangenehm, dass jemand ihn für die Mensch-Wahl vorgeschlagen hat. Die Bühne ist nicht unbedingt sein Lieblingsort und außerdem versteht er sich nur als Initiator einer guten Sache, als deren Gesicht. Ohne die vielen Helfer aus seinem Umfeld und ohne die Unterstützung mehrere Lüchow-Dannenberger Unternehmen wäre der MSNT nicht zu stemmen, das betont Vollmer immer wieder. Fünf Helfer waren es zu Beginn, im Jahr 2011, heute sind es um die 35 im Alter zwischen 16 und 30 Jahren, die meisten davon aus Lüchow-Dannenberg. "Ohne diese ehrenamtlichen Leute wäre das gar nicht möglich", ist Vollmer überzeugt. Er selbst will sich lieber hinten anstellen als sich in den Vordergrund zu drängen. Für ihn bedeute die Organisation der Party, zu der zuletzt rund 850 zahlende Besucher gekommen sind, rund einen Monat Organisationsarbeit. Andere Ehrenamtler würden sich das ganze Jahr hindurch einsetzen.

Entstanden ist die Idee übrigens nicht, um etwas Großes, das es heute ist, aufzuziehen, sondern aus dem Mangel an elektronischer Musik während der KLP heraus: "Töpferkurse sind eben nicht für jeden etwas." Mit dieser Feststellung hat der Partyorganisator offenbar Recht. Das liegt auch daran, dass Vollmer immer viel Wert auf eine hohe musikalische Qualität und auf DJs gelegt hat, die in der Szene einen Namen haben. Wahrscheinlich auch deshalb ist die Veranstaltung zu mehr als einem Geheimtipp geworden. Einige reisen von weit her an, um bei der Techno-Party dabei zu sein. Dabei hatte es viel Werbung für die Party nie gegeben, alles läuft über Facebook.

Dass die Party immer größer und damit zwangsläufig immer professioneller wird, stellt Vollmer und seine Helfer mitunter vor Probleme. Im kommenden Jahr, am 26. Mai, wird ein Krankenwagen samt Sanitätern dabei sein, Schallschutzmessungen sollen helfen, Beschwerden von Anwohnern zu vermeiden. Hin und wieder haben Vollmer & Co. auch überlegt, einen Trägerverein zu gründen. Aber das war dann doch zu bürokratisch. Denn das ist schließlich Vollmers große Stärke: unbürokratisch helfen, ohne Satzung, aber dafür mit Herz. Statt eines Vereins organisiert nun das Kollektiv RSNZRFLXN die Feier. Dessen Credo: "Das gute Leben zelebrieren und das mit der Fürsorge für andere verbinden."

 

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