Online: 01.11.2016 - ePaper: 02.11.2016

Wer wird Mensch Lüchow-Dannenbergs? Heute: das Skater-Quartett aus Lüchow

ZoomHaben Skateboards repariert und an Flüchtlingskinder verschenkt: Fabian Bosselmann (von links), Pablo Rudolph und Tim Sitzer. Nominiert sind sie als Skater-Quartett. Anton Richter, der mittlerweile in Berlin studiert, ist auf dem Foto unten in der Mitte zu sehen.

fb Lüchow. Als große Helfer oder Ehrenamtler sehen sich Fabian Bosselmann, Pablo Rudolph und Tim Sitzer nicht. Ihr Engagement ist für sie eine Art Selbstverständlichkeit. Und klar ist: Anders als andere Kandidaten der Wahl zum "Mensch Lüchow-Dannenbergs" haben sich die drei Jugendlichen nicht seit Jahren für eine bestimmte Sache im Kreisgebiet eingesetzt. Weniger wichtig macht das ihr Engagement aber nicht: Als 2015 tausende Flüchtlinge nach Lüchow-Dannenberg kamen und in den Notunterkünften lebten, sorgten Bosselmann, Rudolph und Sitzer - zusammen mit Anton Richter, der mittlerweile in Berlin studiert - dafür, dass viele ausländische Kinder in der Freizeit ein bisschen Spaß hatten.

Die vier jungen Männer gehören zum harten Kern der Skaterszene, die sich regelmäßig auf dem Lüchower Skateplatz neben der Grundschule trifft. Und im Herbst 2015 kamen regelmäßig Flüchtlingskinder von der benachbarten Notunterkunft dazu. "Am Anfang waren es nur ein paar, am nächsten Tag schon 15 Kinder und Jugendliche", erinnert sich der 19-jährige Fabian Bosselmann. Die ausländischen Kinder hatten natürlich keine eigenen Bretter. Doch das änderten die vier Skater: Sie reparierten eigene alte Boards und verschenkten sie an die Kids. "Die waren stolz und glücklich", erzählt der 14-jährige Pablo Rudolph. Schnell reichte der eigene Vorrat an alten Skateboards nicht mehr, um alle Kinder glücklich zu machen. Und so saß das Skater-Quartett oft zusammen, um neue Möglichkeiten auszuloten.

Über eine Facebook-Seite starteten die Jugendlichen, die - bis auf Anton Richter - alle noch zur Schule gehen, einen Spenden-Aufruf. Mit Erfolg: "Die Hilfsbereitschaft war fantastisch, Menschen haben Boards, Skates und Zubehör gespendet", sagt der 17-jährige Tim Sitzer. Sogar ein paar Fahrräder und Klamotten waren dabei. In ihrer Freizeit flickten die vier Jungs die gespendeten Sachen, um sie dann zu verschenken. Dabei gingen viele Stunden Freizeit drauf: "Das war wohl das intensivste, an dem wir je gearbeitet haben", sagt Bosselmann. Drei Monate lang trafen sie sich regelmäßig, um etwas zu reparieren. Und damit machten sie es für viele Flüchtlingskinder möglich, sich in ihrer Freizeit inner- und außerhalb der Notunterkunft zu beschäftigen.

Auch weil Bosselmann, Richter, Rudolph und Sitzer es nicht bei den Geschenken beließen: Da viele der ausländischen Kinder zum ersten Mal auf einem Skateboard standen, wussten sie natürlich nicht, wie man damit fährt. "Wir haben ihnen gezeigt, wie man richtig darauf steht", erzählt Bosselmann. Auch ein paar Tricks brachten sie den Kids bei. Dass die kein Deutsch und zum Großteil nur wenig Englisch sprachen, war kein großes Hindernis: "Das meiste ging mit Händen und Füßen", sagt Sitzer und lächelt. Manchmal brachten er und seine Kumpels einen Grill mit in den Skatepark und saßen gemütlich bei Bratwürsten mit den Flüchtlingskindern zusammen. Berührungsängste mit den Fremden hatten die vier Skater nicht. Und so machten sie sicherlich für viele Flüchtlinge das Leben in der neuen, fremden Umgebung einfacher und erträglicher.

"Wir wollten Fremdenfeindlichkeit abbauen und Menschen durch den Sport, den wir lieben, miteinander verbinden", beschreibt Bosselmann die Motivation der Gruppe. Im Skatepark in Lüchow, bei dessen Aufbau das Quartett auch fleißig mit angepackt hat, sei es vollkommen egal, ob jemand aus Deutschland, Syrien oder Afghanistan kommt. "Man kommt her, begrüßt sich, skatet zusammen." Rivalität, Hass oder Neid haben keinen Platz. "Warum sollte das bei Flüchtlingskindern anders sein?", fragt Bosselmann und fügt hinzu: "Skatenverbindet."

^ Seitenanfang