Online: 02.11.2016 - ePaper: 03.11.2016

Wer wird Mensch Lüchow-Dannenbergs? Heute: Anke Henne aus Gümse

ZoomDie 78-jährige Anke Henne aus Gümse hat spontan in ihrem Heimatdorf und Breese/Marsch Spenden für Hurrikan-Opfer auf Haiti gesammelt. Es war nicht ihre erste spontane Spendentour.

mh Gümse. "Da kämpfen Tausende Haitianer gegen Sturm und Fluten und wir sitzen bequem im Fernsehsessel", war für Anke Henne Anfang Oktober eine "kaum zu ertragende Vorstellung". Die 78-jährige Gümserin sagte sich resolut: "Anke, tu was!" und ging auf Spendentour in ihrem Ort und in Breese/Marsch. Von Freitagnachmittag bis Sonntag klingelte sie bei hundert Familien und hatte als Lohn für ihre Mühe 800 Euro in Scheinen und Münzen auf dem Tisch in ihrem "Gluckennest", der kleinen Stube mit Fernseher und Kohleofen. Den Betrag überwies sie an die Organisation "Ärzte ohne Grenzen", die für die schwer betroffenen Haitianer eine medizinische Basisversorgung aufbaut.

"Anke, tu was!", war auch ihr Motto vor drei Jahren, als sie 600 Euro für die Flutopfer in Pakistan sammelte. "Damals war ich als Mitglied des DRK-Ortsvereins Damnatz unterwegs und konnte die zugedachten Spenden nur auf Überweisungsträgern eintragen. Das war für etliche Bewohner eine Hürde", hat sie erfahren. Deshalb habe sie diesmal den unbürokratischen Weg genommen und war noch erfolgreicher.

Auf der Tour durch die Dörfer habe sie viel Zustimmung erfahren, fast alle Familien hätten ihr Geldbeträge anvertraut, freut sich die agile Seniorin. "Weil du es bist, spende ich an der Haustür", habe sie immer wieder gehört. "Ich schätze das Vertrauen, das meine Nachbarn in mich setzen. Nur so kann es funktionieren", ist Anke Henne überzeugt. Sie hofft, "dass es Nachahmer gibt, denn wenn viele Menschen in ihren Nachbarschaften und bei Kollegen Spenden sammeln, könnte man den von Katastrophen betroffenen Menschen wirklich helfen".

Anke Henne ist ihrem altruistischen Impuls gefolgt und hat ein Beispiel dafür gegeben, dass jeder in der Lage ist, Not zu lindern. Sie hat dafür ein Vorbild und erinnert sich an eine Szene, die sie heute noch zu Tränen rührt. "Meine Mutter musste mit Handkoffer, in Filzstiefeln und einem Wattemantel aus Russland fliehen und wusste, was Hunger bedeutet. Als nach dem Krieg ein Flüchtlingsmädchen vor unserer Kate stand und um Essen bettelte, hat meine Mutter aufgetischt." Das Erlebnis der kleinen Anke hatte Nachwirkungen. "Als meine Mutter zu Grabe getragen wurde, habe ich ganz in ihrem Sinne darum gebeten, statt Blumen zu kaufen, den Betrag für ‚Brot für die Welt' zu spenden, um Hunger zu lindern."

Auch Anke Henne hat Hilfe in der Not erfahren und will nun auf ihre Art dafür Dankeschön sagen. "Wir mussten in den letzten Kriegstagen aus Gümse fliehen, weil das Dorf unter Beschuss stand. Ein Nachbar hat uns auf seinem Kuhgespann mitgenommen und unsere beiden Kühe gerettet." Und als sie 1975 zwei Pflegekinder mit Handycaps übernahm, hätten ihr die Nachbarn mit Kleiderspenden, Rat und Tat zur Seite gestanden.

In Gümse fühle sie sich geborgen, aber "es gibt so viele Katastrophen und so viel Leid auf der Welt", ist Anke Henne erschüttert. Sie werde wieder an den Haustüren klingeln, "solange mich meine Füße tragen". Um fit zu bleiben, macht sie ihre Runden beim Verteilen des Gemeindebriefs.

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