Lokales

Sirene sorgt für Streitigkeiten

Wenn in Zernien künftig die Feuerwehr alarmiert wird, heult es in die Häuser von Erich Zeitz und seiner Nachbarn

rg Zernien. Als Erich Zeitz vor vielen Jahren in die Zerniener Fuhrenbahn zog, war es vor allem die Ruhe, die ihn dazu bewog. »Das war hier damals, als die meisten von uns herkamen, ein Wohn- und Erholungsgebiet», sagt er.

Doch mit Ruhe und Erholung ist es in dem Wohngebiet am hügeligen, bewaldeten Ortsrand des Dorfes nun vorbei. Das zumindest befürchten Zeitz und viele seiner Nachbarn. Denn die Elbtalaue-Samtgemeindeverwaltung hat mitten zwischen den Häusern eine Feuerwehrsirene aufgestellt. Im Alarmfall ruft sie die Mitglieder der Feuerwehr zum Einsatz - und das mit 109 Dezibel, die direkt in Wohn- und Schlafzimmer der Anwohner donnern.

»Wir wurden darüber überhaupt nicht informiert, vor einigen Tagen erschien hier ein Bautrupp und hat das Ding aufgestellt», ärgern sich Zeitz und seine Nachbarn, die im Carport des Wahl-Zernieners zusammengekommen sind. »Es gab keine Information, kein Gespräch vorher. Erst, als wir eine Beschwerde an die Samtgemeinde geschrieben haben, kam der Gemeinde-Bürgermeister Heinz Schulz und fragte nach, was denn los ist», sagt Erich Zeitz. »Wir hatten gar keine Möglichkeit, da ein Wörtchen mitzureden», findet Ralf Moritz. »Das ist schon ziemlich schräg, wie hier die Interessen der Anwohner einfach ausgeblendet werden.» Und auch den Sinn der Sirene stellt man in der Fuhrenbahn in Abrede: »Hier oben wohnt überhaupt nur ein einziger Feuerwehrmann. Und die andere neue Sirene, die ebenfalls aufgebaut wurde, ist laut genug, auch ihn zu alarmieren», ist sich Ralf Moritz sicher.

Alle machen sie sich Sorgen. Sorgen um die Ruhe und Beschaulichkeit ihrer Siedlung, Sorgen darüber, dass ihre Grundstücke nun an Wert verlieren könnten. Und Erich Zeitz macht sich sogar Sorgen um seine Gesundheit. Denn der Pensionär ist schwer herzkrank, attestiert ihm ein ärztliches Schreiben. Der Schreck, wenn plötzlich die Sirene in sein Schlafzimmer heult, könnte ihm »ernsthaft schaden», befürchtet er. Daher prüfe man jetzt »rechtliche Schritte», falls sich die Samtgemeinde nicht doch noch bereit zeige, mit den Anwohnern zu sprechen. Denn selbst nach der Beschwerde sei nichts passiert, lediglich ein Schreiben, dass der Widerspruch gegen die Sirene keinen Erfolg habe.

Bei der Samtgemeinde ist das Problem bekannt. Doch von einer Verweigerung, miteinander zu sprechen, weiß Ordnungsamtsleiterin Sabine Ringel nichts. »Natürlich kann man immer miteinander reden», betont die Verwaltungsfrau. Die Sirene sei in Abstimmung und auch auf Wunsch der Feuerwehr installiert worden, so wie es nach dem Niedersächsischen Brandschutzgesetz vorgeschrieben ist. »Sie steht dort, weil von dem Standort aus am besten eine zielgerichtete Beschallung möglich ist», erläutert Ringel.

Dass es wegen des Aufstellens einer Sirene so viel Ärger gibt, sei ihr neu, sagt Ringel. »In anderen Orten bei uns in der Elbtalaue wurden Sirenen versetzt, umgebaut oder sogar von der Feuerwehr und den Anwohnern gemeinsam neu aufgestellt, weil alle wissen, wie wichtig es ist, dass die Wehrmitglieder schnell alarmiert werden», betont sie. »Dennoch - sprechen kann man über alles.»

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