»Rathskeller» war nicht zu retten
Dannenberger Hotel war früher Rathaus - 1906 durch Feuer zerstört - Gebäude musste abgerissen werden
Es entstand seinerzeit, nachdem das erste Hotel Ratskeller 1906 ausgebrannt war und abgerissen werden musste. Dannenbergs Stadtarchivarin Susanne Götting-Nilius erinnert an die Geschichte des Ratskellers:
Hundert Jahre hat der Ratskeller in der uns vertrauten Gestalt überdauert, bevor am 13. Januar 2007 der Brand aus-brach, aber die bewegte Vorge-
schichte des Hauses reicht einige Jahrhunderte zurück. Seit dem Mittelalter befand sich das Rathaus der Stadt Dannenberg an jenem Platz, auf dem später das auch als Hotel dienende Gebäude entstand. Immer wieder bedrohte Feuer seit dieser Zeit die Häuser der Stadt. Der Chronist Seeger berichtet in den Annales Dannenbergicae von drei Bränden im Abstand von nicht viel mehr als 100 Jahren, allen voran der Brand von 1608: Er »verzehrete die Süden-Seite des Markts, ergriff das Rathaus, brannte bis ans Drawehner Thor und auf der anderen Seite wieder herauf...» Es dauerte lange, bis alle Häuser wieder aufgebaut waren. Die neuen Bauvorschriften des Herzogs, anstelle von Lehm nun Ziegel und anstelle von Stroh künftig Dachpfannen zu verwenden, konnten von der Bevölkerung insgesamt nur zögernd umgesetzt werden. Für das Rathaus allerdings wurden bereits nach dem Brand von 1583 Ziegel und Pfannen in Hamburg eingekauft. Nach 1608 hat es dann aber doch einige Jahre gebraucht, bis das Rathaus wieder stand. Noch 1614 und 1617 lieh sich die Stadt bei umliegenden Kirchengemeinden Geld »zu wiederauferbauung unseres abgebrannten Rathhauses». Seit der Mitte des 18. Jahrhunderts gab es in Dannenberg eine Brandversicherung, in deren Listen auch das Rathaus erscheint. Lange beherbergte das Gebäude bereits eine Wein- und Bierschänke. 1818 kaufte der damalige Pächter Johann Chris-tian Schulz für 1300 Reichsthaler das Nachbargebäude mit der Hausnummer 196 hinzu und machte mit diesem Kauf die spätere Erweiterung des Ratskellergebäudes möglich. 1872 zogen die Büros der städtischen Verwaltung um in die ehemalige Posthalterei - in jenes Gebäude am Markt, das heutzutage als »Altes Rathaus» bekannt ist. Der damalige Bürgermeister Koch hält in der Ortsgeschichte Dannenbergs fest, dass der »Rathskeller, dessen obere Zimmer bis dahin von dem Magistrate zuBureau-Zwecken benutzt waren, (...) an den H™telier Wilgers käuflich übergegangen war». Im September des Jahres 1871 erschienen in überregionalen Zeitungen von Rostock bis Hannover Anzeigen mit der Offerte, für »das der Stadt gehörige, auf hiesigem Markte belegene ,Hotel zum Rathskeller», in welchem seit langem eine lebhafte Gastwirthschaft, verbunden mit Restauration und Weinhandlung betrieben wird» ein Gebot abzugeben. Zu dem Angebot gehörten auch das nebenstehende Haus 196, ein Garten, Wiesen und Ackerland. Den Zuschlag erhielt nach einem zweiten Gebotstermin der ehemalige Oberkellner des Hotels Hannover, (es lag direkt neben dem Ratskeller) Heinrich Wilgers. Für 8230 Reichsthaler kaufte er das Hotel und nutzte es fortan ausschließlich gastronomisch.In den Morgenstunden des 10. Novembers 1906 ging bei der Feuerwehr Alarm ein. Der Ratskeller brennt! Durch eine »man- gelhafte Feuerungsanlage» entzündete sich ein zehn Stunden währender Brand, der das Gebäude soweit zerstörte, dass es abgerissen werden musste. Der »Immobiliarschaden» wurde auf 23793 Mark geschätzt, der Schaden an Mobiliar und Einrichtung auf 13428 Mark. Vor allem der Verlust der »Central-Heizung», damals ein besonderer Komfort, mit dem sogar an der Hotelfassade geworben wurde, war zu bedauern. An gleicher Stelle, aber größer und aufwändiger als zuvor, entstand sodann zur Zeit des damaligen Besitzers Max Spröde der Bau, der das Bild des Dannenberger Marktplatzes bis heute mit prägt.Um das Hotel zu erweitern, wurde seinerzeit auch das zugehörige Nachbargebäude abgerissen. Das zuvor vergleichsweise schlicht gegliederte Gebäude wurde ersetzt durch einen barock anmutenden, im Verhältnis zur Umgebung auffallend prunkvollen Bau: An den Seiten weist er noch Fachwerkelemente auf, die dem Marktplatz zugewandte Fassade jedoch ist mit antikisierenden Elementen gegliedert. Vor allem der leicht vorkragende Mittelteil der Fassade mit dem außergewöhnlichen Balkon und den über zwei Geschosse aufragenden Pilastern, die einen barock aufgebrochenen Giebel zu tragen vorgeben, macht das Hotel sicherlich zu dem auffälligsten Neubau der Stadt. Nicht zuletzt das direkt angrenzende Hotel Hannover wird weit in denSchatten gestellt. Dieses brennt 1922 völlig nieder und bedroht dadurch auch noch einmal den Ratskeller, dessen Seitengiebel bereits Feuer gefangen hatte. Durch das »energische Einschreiten der Feuerwehren», so wird berichtet, konnte Schlimmeres verhindert werden. In dieser Gestalt hat der Ratskeller 100 Jahre äußerlich relativ unverändert überdauert. Nur der mittlere Giebel hatte in den 50er-Jahren seinen schwungvollen Bogen und das ursprünglich das Gebäude krönende kleine Türmchen eingebüßt.
Bild: Ein ähnliches Bild, wie es sich zurzeit am Dannenberger Marktplatz bietet, entstand 1906: Das Hotel Ratskeller ist ausgebrannt. So schlimm war damals der Feuerschaden, dass das Gebäude abgerissen werden musste. Aufn.: Archiv Wenzel












