Lasagne im Hausboot?
Dannenberg: Ideen zur Stadtentwicklung
Einige wesentliche Vorschläge aus jenem 126 Seiten umfassenden Werk stellte Stadtdirektor Jürgen Meyer Montagabend 50 Interessierten vor, die sich zu einer Bürgerversammlung im Hotel »Alte Post» eingefunden hatten. Wird die Idee für den Ratskeller umgesetzt, »dann hätten wir erstmals ein Haus, in dem wir die Passagiere eines ganzen Reisebusses unterbringen könnten», sagte Meyer.
Der Hotel-Gedanke ist nur einer von vielen aus dem Konzept, mit dem sich Dannenberg an einem Wettbewerb beteiligen will. Ihn hat das Niedersächsische Sozialministerium unter dem Motto »Entwicklung und Erneuerung städtischer Gebiete» ausgeschrieben. Bis Mitte Ok-tober muss die Jeetzelstadt ihr Konzept eingereicht haben. Über dessen endgültige Fassung wird der Rat der Stadt am 8. Oktober entscheiden.
»Dannenberg - die Stadt mit Perspektive», so ist das Kon- zept überschrieben. Einer seiner Schwerpunkte ist die städtebauliche Entwicklung, zu der auch in die Innenstadt passende Neubauten gehören. Angedacht ist beispielsweise, am Mühlentor die relativ kleinen Gebäude gegenüber der Sparkasse - zwischen Gaedke & Jirjahn und Keetz - abzureißen, damit dort ein Wohn- und Geschäftshaus entstehen kann. Es soll den Einzelhändlern bessere Entwick-lungsmöglichkeiten bieten. Abreißen und einen Neubau schaffen - diese Lösung empfiehlt das Konzept auch für das Haus Am Markt 2, das eine »von erheblichen Missständen betroffene Gebäudesubstanz» aufweise (das weiße Haus des Markt- Ensembles an der Ecke Münzstraße). Zwischen Landgraben und Thielenburger See, so ein weiterer Vorschlag, ließe sich ein Haus mit altengerechten Wohnungen bauen. Weitere Ideen für den See-Bereich nahe der Straße Landgraben sind Pavillons für Manufaktur-Betriebe, um neue Arbeitsplätze zu schaffen, und ein Hausboot für »Gastronomie auf dem Wasser». Es gibt Überlegungen, dort italienische Spezialitäten von Lasagne bis zu aufwändigeren Gaumenfreuden anzubieten. Für diese und andere Ideen könne die Stadt aber nur »den Rahmen schaffen», sagte Jürgen Meyer; für das Realisieren der Projekte »brauchen wir Investoren». Es gebe durchaus Gespräche mit Leuten, die in Dannenberg investieren wollen.
Auch öffentliche Vorhaben stehen im Entwicklungskonzept, so etwa ein überdachter Fahrradstand am Busbahnhof, eine gute Beschilderung, die in der Stadt zum Beispiel auf Sehenswürdigkeiten und Hotels hinweist und eine Mehrgenerationen-Mensa. Diese könnte in der bisherigen Realschul-Aula entstehen, die umgebaut und um eine Küche erweitert werden müsste. Im Bereich des Schulzentrums soll laut Konzept ein »Haus des Lernens» für alle Generationen gebaut werden, fuhr Jürgen Meyer fort. Auch sei da-rüber gesprochen worden, die Erich-Kästner-Schule - die in der Bahnhofstraße zu findende Förderschule - ins Schulzentrum einzubinden, aber das sei »noch Zukunftsmusik». Möglichkeiten zum lebenslangen Lernen seien sehr wichtig für Dannenberg, und das gelte auch für das Schulangebot, betonte Jürgen Meyer. Er verwies dabei auf den vielfach geäußerten Wunsch nach einer Ganztagsschule. Wenn sich qualifizierte Arbeitskräfte von außerhalb für eine Stelle in Dannenberg inte-ressieren, berichtete Meyer, sei eine der ersten Fragen: »Wie sieht»s dort mit den Schulen aus?» Die Stadt wolle sich verstärkt um den Zuzug von Familien nach Dannenberg bemühen; für jemanden aus Hamburg sei es doch attraktiv, in einen Kreis umzusiedeln, wo man für Beträge zwischen 60000 und 100000 Euro ein Haus bekomme. Verstärkt für Dannenberg in Hamburg werben, das sieht auch das Marketing als wichtige Aufgabe im Entwicklungskonzept an, erklärte Marketing-Leiterin Ursula Fallapp. Die bisherigen Aktivitäten des Marketings, wie die Förderung des kleineren Einzelhandels oder das Schaffen neuer Ausbildungsplätze, sollen fortgesetzt werden. Das Konzept sieht vor, dass für all dies zwei halbe Arbeitsstellen geschaffen werden.
Zu Beginn der Bürgerversammlung hatte Judith Zimmermann, Diplomandin der Universität Göttingen, aus einer von ihr erarbeiteten Analyse zur Stadt vorgetragen. Zu hören war unter anderem, Dannenberg sei von starker Überalterung betroffen. Rund 23 Prozent der dort lebenden Menschen sind 65 Jahre alt und älter. Doch nur gut 7 Prozent der Dannenberger sind zwischen 18 und 25 Jahre jung. Die Kaufkraft in der Stadt liege unter Landesdurchschnitt, und die Zahl der Touristen sei trotz des Reizes der Gegend rückläufig. In einer kurzen Diskussion äußerten Bürgerinnen und Bür- ger Anregungen und Wünsche: »Freundlichkeit ist für diese Stadt ganz wichtig», hieß es beispielsweise, und: Bei der Stadtentwicklung dürfe nicht die Abrissbirne dominieren. Vielmehr sollte Dannenberg auch seine altvertrauten Häuser, auch das Alte, Verwinkelte und Verschachtelte behalten -und da-mit den Charme dieser Stadt. Für diesen Wunsch gab»s lebhaften Applaus.
Bild: Brandruine mitten in der Stadt: der Ratskeller. Wird er wieder zum Hotel, so wie es das Entwicklungskonzept anregt? 3 Aufn.: H. Jung












