Kultur lokal

»Besondere Note»

Die Musikwoche Hitzacker 2010 geht auf Wahrheitssuche

tj Hitzacker. Gibt es so etwas wie Wahrheit in der Musik? Und was ist Wahrheit überhaupt? Was Philosophen seit Jahrtausenden diskutieren, wolle sich auch die Musikwoche Hitzacker im Februar fragen, heißt es in einem Überblick über das Programm der 24. Ausgabe der Konzertreihe.

Ihr Motto: »Wahrheiten - der Musik abgelauscht - für wahr genommen?»

»Der Musikschaffende drückt seine Gedanken in seinem Werk aus und lässt dabei dem Zuhörenden Freiraum zur eigenen Wahrheitsfindung», erläutern die Veranstalter ihre Überlegungen zum Programm. Auf »facettenreiche Weise» seien in der letzten Februarwoche in Hitzacker »zahlreiche Wahrheiten über Komponisten und ihre Epoche, über Werke und ihre Intentionen» zu entdecken. Wer in der Barockmusik nach »Grundwahrheiten» suche, werde sie beispielsweise in der souveränen Handhabung des konzertierenden Prinzips finden, wie sie im Vor- und im Eröffnungskonzert der Virtuosi Saxoniae zu erleben sein sollen - mal als fulminanter Wettstreit dreier Violinen und der Basso-continuo-Gruppe in Bachs Konzert D-Dur BWV 1064a, mal als bläsergeprägtes Concerto grosso Händels, in dem Concertino und Tutti eine feinsinnige Klangbalance anstreben. Anders geartete Welten eröffneten Bachs Goldberg-Variationen, in denen diverse Kanon-Abschnitte auf die Komponierwerkstatt des Leipziger Thomaskantors hinwiesen, während die Polonaisen gleichsam dem Kurfürsten von Sachsen huldigten.

Der zweite Schwerpunkt der Musikwoche ist wiederum die Wiener Klassik - auf dem Programm stehe »eine Begegnung mit einem der rätselhaftesten Werke der Musikgeschichte, Mozarts Requiem in d-Moll KV 626 aus dem Jahre 1791», versprechen die Veranstalter weiter. Das Requiem ist im - wie das Eröffnungskonzert bereits nahezu ausverkauften - Abschlusskonzert zu hören. Mozart vollendete das Werk nicht, die Forschung meine, dass es zu etwa zwei Dritteln aus seiner Feder stammt. Seine Schüler Joseph Eybler und Franz Xaver Süßmayr hätten das »Requiem» im Auftrag von Mozarts Witwe Constanze vervollständigt. Doch die Frage der »Fremdanteile» sei nicht abschließend zu klären. »Wahrheitssuche auf der einen, üppige Mythenbildung auf der anderen Seite sind bis heute die Folge».

Auch das »romantische Idiom» wird im Programm natürlich nicht ausgespart: Hartmut Sauer spielt Klaviermusik von Franz Schubert und Frederic Chopin, was »eine besondere Note» gebe. Nach einem anderen Romantiker würden die Gäste »schon etwas suchen müssen». Robert Schumann, dessen Geburtstag sich 2010 zum 200. Male jährt, wird in einem literarisch-musikalischen Abend vor allem in Tagebuch- und Briefzeugnissen zu Wort kommen. Manch Musikfreund werde erkennen, dass Schumann nicht nur ein genialer Komponist, sondern überdies ein begnadeter Literat war.

»Schier unerschöpflich» seien die instrumentalen Kombinationen, die das Programm präsentiere: Werke für Harfe und Violoncello, Kompositionen für Oboe und Klavier, Duos für Fagott und Klavier. Kompositorische Entdeckungen verspreche ein Konzert mit Musik für Trompete und Orgel, natürlich mit Ludwig Güttler und Friedrich Kircheis.

Programme junger Künstler, die stärker denn je präsent sein werden, führten bei der Wahrheitssuche über Gattungsgrenzen. Das Schlagzeug-Ensemble »Drumherum» der Musikschule Uelzen tritt auf, ein Kinderkonzert des Pianisten Pavlos Hatzopoulos soll den ganz Jungen besondere Eindrücke ermöglichen. »Klassik trifft Jazz» heißt das Programm der Gruppe »Baroque and Blue», es verspreche »Bereicherung mit sinnlicher, exotischer Musik».

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