Kultur lokal

Ein großes Thema

Am kommenden Freitag beginnt die 24. Musikwoche Hitzacker - 18 Konzerte

» Mit diesen Worten fordert der Musikwissenschaftler Hans-Günter Ottenberg in seinem einführenden Text zur 24. Musikwoche Hitzacker die Gäste auf, sich getreu des diesjährigen Mottos des Musikfestes, »auf Wahrheitssuche» zu begeben. »Wahrheiten - der Musik abgelauscht - für wahr genommen» stellt sich die Musikwoche Hitzacker ein großes Thema.

Als Rekurs auf das Thema Wahrheit und die Suche danach kann auch verstanden werden, was Festivalleiter Ludwig Güttler in einem Interview im Programmheft über den »über Jahrhunderte hinweg betrachtet ... überaus fruchtbaren künstlerischen Austausch» sagt, der »ungeachtet zeitweiliger Unterbrechungen durch Kriege, Machtwechsel und politische Neu-ordnungen» das Musikleben Dresdens geprägt habe. Ein Austausch unter Musikern, der auch als Suche nach Wahrheit im Feld des Ästhetischen zu deuten ist. »Dieser Austausch hat über alle schrecklichen Vorkommnisse hinweg letztlich immer gesiegt», sagt Güttler. So sind die Themen Wahrheit und Dresden verbunden, und auf das reichhaltige Repertoire, das von Komponisten in der Sachsenmetropole geschaffen wurde, greift das Programm der Musikwoche Hitzacker bekanntlich gerne zurück. Dabei setzt es die Musik vom sächsischen Hof, wie sie etwa das Eröffnungskonzert der ja in Dresden beheimateten Virtuosi Saxoniae prägt, in Beziehung zu Musik, die andernorts entstanden ist, auf die aber natürlich auch Dresdner Kompositionen Bezug nahmen. In 18 Konzerten (Programmüberblick auf der vorherigen Seite) will das Programm der Musikwoche ab dem kommenden Freitag solcherart den Austauschprozessen der Musikgeschichte nachspüren. Wie in den Vorjahren liegt dabei ein besonderes Augenmerk auf der Musik des Barock und der Vorklassik, die wie kaum eine andere geeignet ist zu illustrieren, was Ottenberg meint wenn er von der »Wahrheit der Interpretation» schreibt. Lassen sich doch die Darbietungen der Virtuosi Saxoniae und ihres Leiters quasi auch als interpretatorische Thesen verstehen, die sie in Hitzacker zur Diskussion stellen. Auf einen anderen Aspekt dieser Frage verweist ein Beitrag von Katharina Rau im Programmheft: Es ließe sich, heißt es da mit Bezug auf die in vielen Fällen nicht als solche entstandenen Cembalo-Konzerte Bachs, »fragen, ob die rekonstruierten ,Originale» näher an der Wahrheit liegen als die ,originalen» Bearbeitungen». Auf diese Frage antwortet die 24. Musikwoche wie die in den Vorjahren , in denen regelmäßig Bearbeitungen zu hören waren, die den vor Ort befindlichen Solisten Gelegenheit geben, Können in den Mittelpunkt zu stellen. Wie in den Vorjahren bewegt sich das Programm der Musikwoche schwerpunktmäßig im Feld des bewährten Repertoires zwischen Barock und Klassik, ein Feld, das das nach einer Pause im Vorjahr nun wieder angesetzte Galakonzert am Vorabend der Eröffnung mit dem Titel Genies (19. Februar) definiert: von Bach bis zu Haydn und Mozart. Mit Musik des Letzteren klingt die Reihe der Konzerte am 28. Februar aus - die g-Moll-Symphonie (KV 550) und das Requiem (KV 626) sind dann in Hitzacker erneut zu hören. Beim Requiem treten die Virtuosi Saxoniae mit einer fast komplett neuen Solistenriege zusammen auf.

Auch die Romantik ist im Programm vertreten, zum in einen in Form eines literarisch-musikalischen Abends mit Briefen und Klavierliedern von Clara Schumann und Johannes Brahms (27. Februar), zum anderen mit einem Klavierkonzert, das neben Musik Schuberts auch einen der Ausflüge in Gegenwart und Moderne bietet, die in dem von Barock, Klassik und Romantik gesetzten Rahmen Akzente setzen. Zu hören sind dann zwei Werke des Amerikane Lee Hoiby (26. Februar).

Neben weiteren solcher kurzer Ausflüge steht ein Konzert, das ein Amalgam aus E- und U-Musik bietet: Das Quartett Barock and Blue verbindet beides auf jazzige Art (22. Februar).

Bild: Zwei, die in unterschiedlichen Rollen die Musikwoche Hitzacker und die dort gespielten Interpretationen prägen: Solist und Festivalleiter Ludwig Güttler und Friedwart Christian Dittmann, als Continuo-Cellist im Hintergrund unverzicht- bar. Archivaufn.: T. Janssen

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