Wettstreit um den schönsten Ton
Bewährtes Ensemble, bewährtes Programm: Solistenensemble der Virtuosi Saxoniae eröffnet 24. Musikwoche
Die waren zahlreich in die so gut wie ausverkaufte St.-Johannis-Kirche der Elbe-, nein, nun der Kneippstadt gekommen - der Vorsitzende erwähnte die Anerkennung als ein solcher Kurort in seiner kurzen Begrüßung.
Die Gäste erlebten ein Ensemble, das sich in einem der vielfach bewährten Programme von seinen guten und besten Seiten zeigte. In Andrea Grossis Sonata C-Dur op. 3 bot der Trompetenpart Ludwig Güttler reichlich Gelegenheit, solistisch zu brillieren - die Sonata stand am Beginn, ist doch das Instrument Güttlers Markenzeichen. Die temporeichen Läufe des Solisten verbanden sich präzise mit einer ausdifferenziert angelegten Begleitung. Trotz der Schattierungen im Klang, deren verspielte rhythmische Irregularien und deren transparent gespielte Vielschichtigkeit gab es allerdings in einer gewissen Übereindeutigkeit, entstand ein Hochglanzfoto des Werks, statt des schimmernden Gemäldes, das ein Mehr an hintergründiger Gebrochenheit der Artikulation hätte entstehen lassen.
Auch im wie viele Werke des Programms von Güttler dirigiertem Konzert Es-Dur von Johann Georg Pisendel brachte das perfekte Handwerk der Begleitung die solistische Violine gut zur Geltung, Roland Straumer begann das Kopf-Allegro in einem leicht angerauten, verstörenden Ton, den er mit geschmeidigen Bögen verband und der so unmerklich wie leichthändig zum Lyrischen sich wandelte, wobei es, wie später im Vivace, zu fein austarierten Dialogen mit den begleitenden Violinen kam.
Dialog stand auch im Zentrum des Bachschen Konzerts d-Moll (BWV 1060) in einer Bearbeitung als Doppelkonzert für Violine und Oboe. Letztere, gespielt von Andreas Lorenz, trat mit Straumers Violine zum Wettstreit um den schönsten Ton, das tiefste Gefühl, an. Im Adagio zumal spielte Lorenz das kantabile Potenzial seines Instruments voll aus, die Violine ergänzte das um Tiefendimensionen des Klangs.
Dass sie in kleiner Besetzung eines Dirigenten nicht unbedingt bedürften, das machten die Virtuosi Saxoniae anhand von Giuseppe Tartinis Sinfonia A-Dur deutlich, deren so eigenwillige wie vergleichsweise schlichten Harmonien und Melodien sie mit viel Aufmerksamkeit für den Ensemblekontext eindringlich zu gestalten wussten.
Wie auch den Kontext von geschmeidig-klangsinnlicher solistischer Violine und Ritornellen im Kopf-Allegro des wieder von Güttler dirigierten Concerto B-Dur »La cacccia» von Vivaldi. In dessen Mittelsatz gab die Contiunuo-Gruppe den Linien des Gesangs der Violine Raum, einen vielschichtigen Ton, der sich nie im Zuviel verlor.
Hatte Ludwig Güttler das Konzert auf der Trompete eröffnet, beschloss er es als Solist auf seinem zweiten Instrument, dem Corno da caccia und schloss damit einen Kreis. Christoph Försters Es-Dur Konzert wimmelt von Sprüngen, von schnellen Passagen, von Fingerfertigkeit fordernden Motiven, wurde geschrieben für einen Hornisten, der »über ganz beachtliche Virtuosität verfügt haben muss», sagt das Programmheft. Ein rechtes Vorführstück also, und so spielte Ludwig Güttler es auch - auch das wohl eine Art historischer Aufführungspraxis. Der Applaus am Ende war groß.
Bild: Zum Solistenensemble der Virtuosi Saxoniae, das am Sonnabend das Eröffungskonzert der 24. Musikwoche Hitzacker bestritt, gehören Roland Straumer (Violine) und Andreas Lorenz (Oboe). Gemeinsam waren sie in einem Doppelkonzert von Bach zu hören. 2 Aufn.: T. Janssen












