Musik, die nicht viel wagt
Matinee mit Cello und Harfe
Astrid von Brück, Solo-Harfenistin der Sächsischen Staatskapelle Dresden, spielte zusammen mit Friedwart Christian Dittmann, dem meist eher im Hintergund stehenden Violoncellisten der Virtuosi Saxoniae. Immer mal wieder allerdings tritt Dittmann bei solistischen Auftritten als versierter Cellist hervor, wie er das gestern mit drei Sätzen aus der Bachschen d-Moll Suite zu tun Gelegenheit hatte: ausdrucksstark schattierend, feinfühlig artikulierend, sicher akzentuierend. Im Programm freilich fiel dieses Stück aus dem Rahmen, es dominierte anderes. Eine andere Klanglichkeit etwa, in der das Cello vibratobetont dem ohnehin selten aufstörenden Harfenklang folgte. Fast ausschließlich gab es Musik der gemäßigten, also tonal zumindest orientierten Moderne. Franzosen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wie Poulenc, Ravel und Fauré oder den »Gesang des schwarzen Schwanes» des Brasilianers Heitor Villa-Lobos - alle gespielten Werke verband trotz gekonnte Interpretation, dass sie, und die Bearbeitung für die Besetzung verstärkt das, nicht fordern, nicht verstören, nicht wagen. Das gefällige Moment des Programms trieben vier Sätze des dreifachen Stalin-Preisträgers Reinhold Glière auf die Spitze - seine von Harmoniebedürfnis und Süße geprägte Tonwelt ist der Sprache der kulturindustriellen Musik gar nicht so erstaunlich nah.
Bild: Ein neues Gesicht unter den Interpreten der Musikwoche Hitzacker: die Harfenistin Astrid von Brück. Sie war bei der gestrigen Matinee zu hören. Aufn.: T. Janssen












