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Aufmerksame Abstraktionen

Zweites Konzert vor dem Beginn Das Weimarer Streichtrio bei der Musikwoche

tj Hitzacker. Dem regelmäßigen Besucher der Musikwoche Hitzacker mögen sie auffallen, kleine Änderungen im Programm, die Ludwig Güttlers Konzertreihe wohl nicht im Grundsatz verändern, aber doch den einen oder anderen neuen Akzent setzen. Einer davon war die Vor-Matinee am Eröffnungssonnabend; mit ihr gibt es nun ein zweites Konzert der Musikwoche, das stattfindet, bevor diese eröffnet wird.

Das mag eine Petitesse sein - doch was das Weimarer Streich- trio in der St. Johannis-Kirche bot, war alles andere als das. Das zweite Vorkonzert, das dem Vernehmen nach auch künftig stattfinden soll, stellte die Reihe der nicht selten vom Grundsatz »Klein, aber fein» geprägten Musikwochen-Matineen ein wenig mehr in den Vordergrund des Programms.

Das Werk, das sich der Violinist Maximilian Junghanns, der Bratscher Florian Richter und die Violoncellistin Eun-Ae Cho ausgesucht hatten, war eines, das doppelt fordert: Bachs Goldberg-Variationen sind bereits im Tasten-Original - etwas salopp gesagt - nicht ohne. Das gilt einmal mehr für die Streichtrio-Bearbeitung Dmitri Sitkovetskys, die beide Stimmen auf drei Instrumente verteilt. Die so zu spielen, miteinander zu verschränken und untereinander auszubalancieren, dass der Kontext der Stimmen erhalten bleibt, ist nicht einfach. Der Interpretation des Weimarer Streichtrios gelang das durchgehend schlüssig, selbst die Violine, deren Part manchmal durchaus einlädt, sich in den Vordergrund zu spielen, war nie mehr als Primus inter pares. Ein zweites Plus war eine Fragen nicht ausschließende Vertrautheit mit dem Werk, das das Ensemble bereits bei seinem Gründungskonzert auf dem Programm hatte: Sie manifestierte sich nicht nur in Unangestrengtheit, sondern auch vor allem darin, dass es ohne Abstriche gelang, in den Variationen, die quasi einen Katalog barocker Satzformen darstellen, den je eigenständigen Charakter etwa einer Gigue, einer Sarabande, einer Air zu erhalten und zugleich deren Spezifika von einem allgemeinen Gestus geprägt zu spielen. Der in dynamischen und farblichen Werten reichhaltig abgestufte Ensembleton, der strukturelle Momente ins Zentrum stellte und so abstrahierend in offene Klangräume einlud, erwies sich als dafür bestens geeignet.

Das alles gelang nicht immer hundertprozentig, mal verlor sich die Viola für Momente zwischen Violine und Violoncello, mal gab es minimale Intonationstrübungen, mal schlichen sich Spuren von Pathos in den Tonfall - doch das blieben Marginalia. Geprägt war das Ensemblespiel vor allem von Musikalität und herausfordernder Aufmerksamkeit.

Bild: Der Violinist Maximilian Junghanns und die Violoncellistin Eun-Ae Cho gehören zum Weimarer Streichtrio. Das junge Ensemble trat bei der ersten Matinee der Musikwoche Hitzacker am Sonnabend mit Bachs Goldberg-Variationen auf. 2 Aufn.: T. Janssen

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