Technisch brillant und lustvoll
Blechbläser beeindrucken bei Musikwoche
ius Hitzacker. Wenn ein Pub-likum so begeistert applaudiert, dass renommierte Musiker wie die des elfköpfigen Blechbläser-ensembles Ludwig Güttler aus Dresden sich bereit finden, drei Zugaben zu spielen, dann sagt das schon eine Menge aus über die Qualität des Konzertes und die Stimmung der Zuhörer. Dazu kam, dass Ludwig Güttler gut gelaunt und locker durch das Programm führte und mit seinen anekdotischen Anmerkungen viel Heiterkeit hervorrief.Schade nur, dass Vieles in den hinteren Reihen nicht zu verstehen war. Man möchte die Inanspruchnahme technischer Hilfsmittel empfehlen, muss aber doch zugleich befürchten, dass ein solches Ansinnen als Zumutung empfunden wird. Das Programm war, was die zeitliche Einordnung der Kompositionen angeht, verhältnismäßig einheitlich: von Erasmus Widmann (1572 bis 1634) spannte sich der Bogen über Henry Purcell, Tomaso Albinoni, Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel bis zu Giovanni Battista Sammartini (1701 bis 1775). Da der Bestand an Originalkompositionen für diese Besetzung vergleichsweise gering ist, waren hauptsächlich Bearbeitungen zu hören, wobei zu sagen ist, dass derlei Arrangements, wie sie am Sonntagnachmittag zu hören waren, in keiner Weise hinter dem Original zurück- stehen, sondern gelegentlich mehr hörbar machen als das Original. Als Beispiel sei auf die Sarabande aus der »Englischen Suite» g-moll (BWV 808) verwiesen, die im zweiten Teil des Konzerts erklang. Da hat Bach über sieben Takte hin im Bass ein tiefes G als Orgelton notiert. Wird diese 3. Suite auf dem Cembalo gespielt, dann ist der Ton selbst bei einem guten Ins-trument nach wenigen Sekunden verklungen, und der Hörer muss ihn sich weiterklingend denken. In der Bläserbearbeitung aber bleibt der Ton die ganze Zeit gleichbleibend laut hörbar, was das harmonische Empfinden stark beeinflusst und dem Zuhörer die satztechnische Raffinesse Bach deutlicher zu Bewusstsein kommen lässt. Dazu kommt, dass die in der Bearbeitung mit den anderen Ins-rumenten erzeugten Klangfarben einen ganz neuen Zugang zum Original ermöglichen. Vielfach klingen die Bearbeitungen ausdifferenzierter. Die Komponisten wären sicher höchst erfreut gewesen, hätten sie die Möglichkeit gehabt, ihre Werke in den Arrangements des Bläserensembles zu hören - dazu auch noch in dieser Perfektion! Womit nicht allein die Sauberkeit der Intona-tion und die technische Brillanz gemeint ist, sondern auch das ausgesprochen lustvolle Musizieren, das über den Augenblick hinaus wirkt. Das Publikum hatte seine Freude dran.
Das Vorprogramm gestaltete das Percussionsensemble »Drumherum» Uelzener Musikschule mit drei Stücken von Claus Bantzer, Nebojsa Zivkovi und Steve Reich. Das war schon große Klasse, was die sechs Jugendlichen auf der Nebenbühne zu Gehör brachten. Vielen der Älteren im Publikum juckte es in den Armen und Beinen bei den mitreißenden Rhythmen, die am Ende sogar ganz ohne Instrumente nur mit bloßen Händen erzeugt wurden. Der Beifall war entsprechend kräftig und anhaltend.












