Von Brahms her gedacht
Ein Fagott-Klavier-Duo in Hitzacker
Die vielen Gesichter der Romantik stellten die Fagottistin Rie Koyama und die Pianistin Narey Park gestern im Programm der Musikwoche Hitzacker vor. Zupass kam dem Duo bei seiner Matinee in der St. Johannis-Kirche, dass der Klang des Fagotts einerseits romantischen Ausdruck trifft, diesem aber andererseits in seiner Vieldimensionalität, mit seinem irritierenden, samtig-rauen Dunkel aber auch entgegenarbeitet und so (zu) einfache Vorstellungen von Ideen der Romantik bricht. Im Zentrum des Programms stand die Sonate f-Moll op. 120/1 von Johannes Brahms, und das Programm des Konzerts kann als von diesem Werk gedacht begriffen werden. Jeder seiner Sätze setzte einen Akzent, der auf die anderen Kompositionen des Programms deutete. Fagott und Klavier traten als gleichberechtigte Partner auf, im Miteinander gaben sie den Zerklüftungen des Allegro appassionato überschwänglichen Ausdruck, spielten das Sostenuto ed espressivo feinfühlig, jenseits jeder Klischeesierung, realisierten die Kapriolen des Andante un poco adagio präzis, ließen attacca ein tanzseliges Alegretto grazioso folgen, bevor das Werk im mittels dramatisierender Verdichtungen strukturierten Vivace ausklang. Dieses wies in Virtuosität und Gestus auf das Schlussstück des Programms, einenCzárdás von Vittorio Monti, der Publikum wie Musiker mitriss. Dem Spätromantiker Brahms ging das Concertino B-Dur op. 12 des Schumann-Freundes Ferdinand David voraus, das sich in idelatypischer, ungebrochener Weise den Gefühlsextremen der frühen Romantik hingibt - Rie Koyama und Narey Park ließen die Stimmungsbögen des Werks oszillieren.
Hochemotional auch die Verwandlungen von Guiseppe Verdis »Phantasie über La Traviata», ein Konzentrat seiner gleichnamigen Oper. Das Allegro brillante hatte einen Hang zum Theatralischen, der deutlich machte, dass die romantische Ideen an Grenzen zu stoßen begannen, als Verdi das ja auch als realistisch gedachte Stück schrieb. Camille Saints-Saëns »Der Schwan» aus dem »Karneval der Tiere», mehr noch Gabriel Faurés »Après un rêve» zeigten sich als Kompositionen, die in ihren großen Gesten romantische Ideen noch einmal aufgreifen - als Beschwörungen einer erloschenen Welt.
Bild: Die Vielschichtigkeit romantischer Weltsicht arbeiteten die Fagottistin Rie Koyama und die Pianistin Narey Park bei der gestrigen Matinee der Musikwoche Hitzacker heraus. 2 Aufn.: T. Janssen












