Kultur lokal

Nora und Nuri El Ruheibany gastierten gestern bei der Musikwoche Hitzacker

asb Hitzacker. »Dieses Mal möchten wir die klingende Seite der Percussionsinstrumente vorstellen», beschrieb Nuri El Ruheibany das Programm der gestrigen Matinee der Musikwoche Hitzacker. Anders als beim letzten Konzert des Lüchower Komponisten vor zwei Jahren, als es zwei Lkw-Ladungen brauchte, um alle Instrumente nach Hitzacker zu schaffen, waren es diesmal lediglich Marimbaphon, Vibraphon und Xylophon, die in der voll besetzten St.

-Johannis-Kirche zum Einsatz kamen. El Ruheibany und seine Tochter Nora spielten ein Programm zwischen Klassik, Jazz und arabischen Tanzmelodien. Auch in anderer Hinsicht beschränkte sich Nuri El Ruheibany, über weite Teile des Konzerts überließ er seiner Tochter Nora die Hauptrollle, begnügte sich mit der Begleitung am Klavier. In zwei Stücken allerdings glänzten beide mit vierhändigem Spiel am Marimbaphon.

Die informative Moderation ließ sich der Percussionist aber nicht nehmen. Nicht nur die vielen Schüler- und Schülerinnen im Publikum erfuhren viel über musikalische Hintergründe der einzelnen Werke sowie die vielfältigen Möglichkeiten der Schlaginstrumente. Schon beim ersten Werk, dem Spanischen Tanz Nr. 1 von Moritz Moszkowski zeigte sich, wie spritzig, wie voll ein Marimbaphon klingen kann. Und dass ein Vibraphon eine Geige ersetzen kann, bewies Nora El Ruheibany durch ihren zarten Anschlag und die meisterliche Umsetzung des »Winter» von Antonio Vivaldi. »Kein Wunder», scherzte Nuri El Ruheibany, »sie hat Geige gespielt, bevor sie zur Percussion wechselte. Da schwingt in ihrer Seele immer noch der sanfte Ton des Saiteninstruments mit.» Auch zeitgenössische Musik war im Programm vertreten. Mit kleinen Informationen über den Einsatz verschiedener Tonarten, um zum Beispiel emotionale Zustände in Klänge umzusetzen, brachte El Ruheibany auf charmante Art die ungewohnten Töne auch denjenigen näher, die mit atonalen Klängen nicht viel anfangen konnten. Mit dem Adagio von Peter Tanner hatte er allerdings ein sehr sanftes Stück ausgewählt, dass die Ohren des Publikums nicht sonderlich forderte. Schon zu Beginn des Konzerts hatte Nuri El Ruheibany angekündigt, die »Kirche zum Beben zu bringen». Bei der »aktiven Einlage» des Publikums bewies der Leiter des Percussion-Orchesters wieder einmal, dass er ein geborener Motivator ist. Nur wenige Minuten brauchte es, die Schülerinnen und Schüler mit Instrumenten zu versorgen, das erwachsene Publikum zum Klatschen zu verleiten und die Rhythmen mit ihnen kurz einzuüben. Kurz darauf klopfte, klatschte und stampfte es durch die Kirche, dass es für alle eine Freude war. Zum Schluss bewies Nora El Ruheibany noch einmal ihr großes Können mit dem »Rhythm Song» von Paul Smadbeck. »Ein Stück, dass dem Spieler höchste Fähigkeiten abfordert», erklärte Nuri El Ruheibany. Seine Tochter meisterte das komplexe Stück so grandios, dass sie sich über jubelnde Ovationen des Publikums freuen durfte. Übrigens: Die 22-Jährige studiert seit zwei Jahren an der Musikhochschule in Hannover, spielte unter anderem schon mit der Staatskapelle St. Petersburg und ist seit 2010 Ensemble-Mitglied bei der Jungen Deutschen Philharmonie in Frankfurt am Main. Das Publikum quittierte das Konzert mit großem Applaus und Christian Zühlke, Vorsitzender des Trägervereins der Musikwoche, bedankte sich für die 18-jährige aktive Mitarbeit von Nuri El Ruheibany mit einem Blumenstrauß und einem Geschenk.

Bild: Auch im gemeinsamen Spiel glänzten Nora und Nuri El Ruheibany während ihres Musikwochen-Auftritts. Aufn.: A. Blank

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