Ein Weg, sich auszudrücken
Musikwoche: Pavlos Hatzopoulos führte beim Kinderkonzert rund 200 Kinder in die Welt klassischer Musik ein
-Johannis-Kirche nahm der Musiker die Melodie des Kinderliedes als Grundlage für landestypische Variationen auf dem Flügel: In Griechenland etwa würde es blumig-lebhaft klingen, in Spanien temperamentvoll oder in Russland schwermütig. Und der amerikanische Präsident Barack Obama würde nach Hatzopoulos Vorstellung die amerikanische, fingerschnipsende Version schon beim morgendlichen Rasieren summen. Dieser ungewöhnliche Einstieg in die Welt der klassischen Musik kam bei den rund 200 jungen Besucherinnen und Besuchern gut an: Für den Fünftklässer Johannes Demel waren die »lustigen» Variationen des Kinderliedklassikers gar der Höhepunkt der Stunde. Dabei wurde Hatzopoulos nach diesem Einstieg erst so richtig warm. Er erzählte, dass er mit drei Jahren das Klavierspielen begonnen und mit sieben Jahren seinen ersten Auftritt gehabt habe. Nicht nur im Hinblick auf eine Musikerkarriere könne es sich lohnen, beim Erlernen eines Instruments »dabei zu bleiben», appellierte er an die Kinder, von denen bei der Frage, wer von ihnen ein Instrument spiele, viele den Arm hoben. Es kämen immer wieder Momente, in denen sie das, was sie fühlten - Wut, Ärger oder auch Freude - mit dem Instrument ausdrücken könnten; »und das tut so gut». Genau das würden auch Komponisten tun, sagte Hatzopoulos und demonstrierte diese Behauptung am Beispiel berühmter Musiker mehrerer Jahrhunderte. Johann Sebastian Bach etwa habe viele traurige Zeiten erlebt; acht seiner 20 Kinder starben früh. Dennoch habe er Zuversicht in seinem Glauben an Gott gefunden, wie Hatzopoulos anhand eines Chorals demonstrierte. Noch deutlicher wurde die Auseinandersetzung mit der Lebenswelt bei Beethovens »Mondscheinsonate», die dieser komponierte, als er begann, sein Gehör zu verlieren - eine Katastrophe für einen Musiker. So werde im zarten, fragenden ersten Satz die »Frage nach dem Sinn des Lebens» gestellt, während der lebhafte zweite Satz den »inneren Kampf» Beethovens deutlich werden lasse. »Und es ist doch besser, am Klavier die Wut rauszulassen als auf eine andere Weise», sagte Hatzopoulos. Johannes Brahms habe in seinen Kompositionen seinen Liebeskummer verarbeitet, Frédéric Chopin die Frustration über seine schwächliche Konstitution und die Suche nach Glück - wie überhaupt Musiker »mit traurigen Gefühlen oft die schönsten Stücke» schrieben.» Dass Musik eine aktuelle Form der Auseinandersetzung mit der Welt und eigenen Gefühlen ist, zeigte Hatzopolous anhand der ersten Takten von Deep Purples »Smoke on the water», deren Motiv aus Brahms »Rhapsodie» stammt.
Bild: Der Pianist Pavlos Hatzopoulos gab bei der Musikwoche ein Konzert, bei dem er Kindern Kompositionen klassischer Musik nahe brachte. Das junge Publikum freute sich im Anschluss auch über Autogramme. Aufn.: P. Witte












