Nur die Musik erzählte
Ein literarisch-musikalischer Abend um Clara Schumann und Johannes Brahms
So oder so - das »Reich der Träume», wie es Johannes Brahms in seiner »Abenddämmerung» beschwört, ist in jeden Fall ein Schlüssel, die enge Beziehung der Komponistin mit dem jüngeren Komponisten zu verstehen. Sich dem anzu-nähern, was die beiden Romantiker in jenem Reich verband, darum ging es dem »Literarisch-musikalischen Abend» am Sonnabend bei der Musikwoche Hitzacker. Er stellte Briefe und Lieder aus beider Komponisten Feder gegenüber. Dass letztere in jedem Fall geeignet sind, der spezifischen Qualität der Beziehung von Clara Schumann und Johannes Brahms nachzuspüren, das machten die feinsinnigen, nuancenreichen und immer leichthändiger werdenden Interpretationen der Sopranistin Barbara Christina Steude deutlich. Am Klavier begleitete Claudia Pätzold aufmerksam-souverän, verlieh den poetischen Farben unaufdringlich zusätzliche Schichten. Jedes der 18 Lieder geriet den beiden Musikerinnen als ganz und gar eigenständiges Faszinosum. Traumverhaucht etwa die Verbindung von innigem, fein nuanciertem Gesang und raffiniert-schlichtem Klavier in Clara Schumanns »Die stille Lotosblume», verspielt Brahms» »Nachklang», vielschichtig schimmernd sein »Abendregen», in dem Gesang und Klavier im Ton verschmolzen, Bild einer Zwischenwelt. Auch das leichthändige Herausarbeiten der eigenwilligen Themenführung der Brahmsschen »Feldeinsamkeit» und der subtile, leise-frohe Ton des »Liebeszaubers» von Clara Schumann waren berückend. »Die Liebe saß als Nachtigall» lautet die erste Zeile dieses Liedes, verweist auf ein Symbol der Musik. Dass Clara Schumann und Johannes Brahms das »Reich der Träume» nicht in erster Linie um der Erinnerungen und der »vergangner Seligkeit», sondern um der Musik willen teilten, wird anhand beider Briefe deutlich: Von etwas »tief innen im Menschen», das »oft ganz unbewusst» bleibe und das »wohl bisweilen als Gedicht oder Musik ertönen» mag, spricht Brahms; von seiner Musik, »die tiefe Wurzeln in meiner Seele gefasst hat», Clara Schumann. Anderes weist auf anderen Zauber, »herzliebe Clara» etwa redet Brahms sie an. In solcher Vielschichtigkeit gleichen die Briefe der Musik und können helfen, zu verstehen, was die Musikerfreundschaft ausgemacht hat. Doch nur, wenn sie in einem »Flüstern wie mit Geisterzungen» (»Abenddämmerung») vorgetragen werden - leider wählte Käte Beckert für ihre Lesung einen gegenteiligen Ton, trug die intimen Äußerungen mit bedeutungsschwangerem Pathos vor. Das konterkarierte die Feinsinnigkeit von Kompositionen wie Interpretationen - so blieb es der Musik überlassen, von Clara Schumann und Johannes Brahms zu erzählen.
Bild: Leichthändige Lieder: Barbara Christina Steude sang im Rahmen eines literarisch-musikalischen Abends in Hitzacker Gedichtvertonungen von Clara Schumann und Johannes Brahms. Sie erzählten auch von einer Künstlerfreundschaft.
2 Aufn.: T. Janssen












