Die Bahn gibt klein bei
Anwohner und Naturschützer demonstrieren gegen Arbeiten an der Bahnstrecke Dannenberg-Lüneburg
Gegen Mitternacht rückte die Arbeitskolonne unverrichteter Dinge ab. Mit ihrer Aktion protestierten die Demonstranten dagegen, dass die Bahn mitten in der sogenannten Brut- und Setzzeit die Bäume und Büsche entlang der Bahnstrecke maschinell beschneidet und das abgeschnittene Astwerk und den Boden am Gleisbett schreddert. Denn dadurch kämen nicht nur unzählige Tiere ums Leben - auch vom Aussterben bedrohte Arten - sondern die Arbeiten würden auch sämtliche Tiere in der Gegend bei der Aufzucht ihres Nachwuchses stören. Die Pro-testierer forderten die Bahn auf, die Arbeiten bis Mitte Juli aufzuschieben - bis zum Ende der Brut- und Setzzeit. Die Bahn sagte den Demons-tranten zu, bis einschließlich heute die Arbeiten einzustellen. Das und die Aufmerksamkeit, die man erregt habe, seien ein großer Erfolg, wertete eine Sprecherin der Gruppe, die sich als »BI Dahlenburg» bezeichnete. Ob es weitere Aktionen gegen die Arbeiten geben werde, ließen die Protestierer offen. Ihnen sei es wichtig gewesen, auf den »schlimmen Eingriff in die Natur» aufmerksam zu machen und auf den Tod von Tieren wie der geschützten Schlingnatter, die dort vorkomme.
Die Polizei beendete die friedlicheBlockade nach drei Stunden. Da sich kein Versammlungsleiter ausmachen ließ, teilte der Einsatzleiter den De- monstranten mit, dass sie eine Ordnungswidrigkeit begehen würden und sich zu entfernen hätten. Als das nicht geschah, umstellten Einsatzkräfte, die aus Gorleben angerückt waren, die Demoteilnehmer, nahmen von allen die Personalien auf und durchsuchten jene Personen, die keine Ausweispapiere bei sich hatten. Die Bahn könne gegen die Aktivisten Schadensersatzansprüche erheben, so der Einsatzleiter. Die Demonstration und die Räumung verliefen friedlich.
Sabine Brunkhorst, Sprecherin der Deutschen Bahn, betonte, dass die Freischnittarbeiten an den Bahnstrecken nötig seien, damit die Lokführer freie Sicht haben. »Das verlangt die Verkehrssicherungspflicht», sag-te Brunkhorst. In der Regel würden diese Arbeiten auch außerhalb der Brut- und Setzzeit er- ledigt, doch man müsse »schaffen, was zu schaffen ist». Dass derzeitig gearbeitet werden müsse, liege daran, dass durch das warme, feuchte Wetter die Vegetation in diesen Tagen und Wochen besonders stark wachse. In den Landkreisen Lüchow-Dannenberg und Lüneburg würden solche Arbeiten nur »nach Anzeige bei der Naturschutzbehörde und mit Genehmigung» erfolgen, versicherte die Bahnsprecherin.
Bild: Anwohner und Naturschützer demonstrierten am Freitagabend in Leistade gegen Arbeiten an der Bahnlinie Lüneburg-Dannenberg, bei denen Büsche und Bäume maschinell geschreddert wurden. Aufn.: R. Groß












