Lokales

BI spricht von Grindel-Schwindel

Gorleben-Untersuchungsausschuss: Erneut unterschiedliche Interpretationen

gel Gorleben. »Grindel schwindelt»: Diesen massiven Vorwurf richtet die hiesige Bürgerinitiative Umweltschutz (BI) an den CDU/CSU-Obmann im Gorleben-Untersuchungsaus-schuss, Reinhard Grindel. Der hatte behauptet, dass der Geologie-Professor Klaus Duphorn bei seiner Aussage im Ausschuss gesagt habe, dass die Aufnahme der untertägigen Erkundung des Salzstockes Gorleben durch die neue CDU-geführte Bundesregierung 1983 richtig gewesen sei (EJZ berichtete).

Eine »einseitige Wiedergabe», meint die BI und fragt, auf welcher Veranstaltung Grindel eigentlich gewesen sei.

Die BI erinnert daran, dass Duphorn zunächst ein Gorleben-Befürworter gewesen sei, als ihn die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) als externen Gutachter bestellt hatte. Die Untersuchungsbefunde von Ende der 70er- und Anfang der 80er-Jahre hätten jedoch immer mehr Zweifel an dem Projekt genährt. Die BI: Duphorn habe es bis zur Entscheidung durch die CDU-geführte Bundesregierung 1983 für richtig befunden, neben Gorleben auch andere Standorte auf ihre Tauglichkeit als Endlager zu untersuchen. Diese Forderungen habe die Politik dann per Intervention kassiert, so die BI. Grindel drehte den Spieß nach der vorigen Sitzung auch in einem weiteren Punkt um -und zwar gegen die SPD. Weil die Bundesregierung unter deren Führung 1982 Duphorn keine neuen Verträge bewilligt hatte, habe also der damalige SPD-Forschungsminister von Bülow »unbequeme wissenschaftliche Positionen unterdrückt». Dazu merkt die BI an, dass solche Positionen offenbar sowohl von der SPD-geführten als auch von der CDU-geführten Regierung unterdrückt worden seien. Da man Bürgerproteste im ganzen Land befürchtete, hätten beide Parteien an Gorleben als einzigem Standort festgehalten.

Die BI fordert nach Duphorns Auftritt im Ausschuss erneut, das Endlager-Projekt Gorleben zu beenden und eine ergebnis-offene vergleichende Suche einzuleiten. Dabei beruft sie sich nochmals auf Duphorn. Nach dessen Schilderung seien in Gorleben drei von vier soliden hydrogeologischen Vorgaben nicht erfüllt gewesen. Der Geologie-Professor habe gesagt: »Was für eine Perspektive: Um Sicherheit zu gewinnen, musste der Salzstock weiter angebohrt werden und würde damit weiter beschädigt. Dann muss man auch rechtzeitig abspringen können». Und: Je länger man in Gorleben gebohrt habe, desto schlechter seien die Ergebnisse gewesen.

Die in den 90er-Jahren entdeckten Gas- und Wassereinschlüsse hätten seine Zweifel dann zur konkreten Ablehnung des Gorleben-Projektes geformt, gibt die BI Duphorn wieder.

Bild: Umstrittenes Gorleben-Projekt: Bei der Suche nach der historischen Wahrheit im Untersuchungsausschuss werden die Zeugenaussagen nach wie vor - je nach politischer Couleur - unterschiedlich interpretiert. Archivaufn.: R. Groß

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