Online: 06.05.2012

Von Eric Dobias, dpa

Ende der Titelträume: Nowitzki mit Dallas gescheitert

ZoomOklahoma James Harden beim Dunking. Foto: Larry W. Smith

Dallas (dpa) - Nachdem die gedemütigten Altstars der Dallas Mavericks als erst fünfter Titelverteidiger in der NBA-Geschichte ohne Sieg aus den Playoffs geflogen waren, schlich Deutschlands Basketballstar Dirk Nowitzki mit traurigem Blick vom Parkett.

Das 97:103 gegen die Oklahoma City Thunder war der absolute Tiefpunkt einer ernüchternden Spielzeit. Der Vorjahresmeister steht nun nach der 0:4-Pleite in der Best-of-Seven-Serie vor einem radikalen Neuaufbau. «Das war eine Saison mit Aufs und Abs. Wir waren einfach nicht konstant genug, um ein Spitzenteam zu sein», resümierte Nowitzki.

Für Deutschlands herausragenden Basketballer endete die Saison in der nordamerikanischen Profiliga NBA, wie sie begonnen hatte - mit einer bitteren Enttäuschung. Im August 2011 hatte Nowitzki mit der Nationalmannschaft die Qualifikation für die Olympischen Spiele verpasst, nun steht ihm nach dem frühen Aus mit Dallas unfreiwillig ein langer Urlaub bevor.

Entsprechend groß ist der Frust, der sich in einer deutlichen Kritik an der verfehlten Personalpolitik von Mavericks-Boss Mark Cuban nach dem umjubelten Titelgewinn im Vorjahr entlud. «Wir brauchen Spieler, die auch mal Aktionen für sich machen können. Wenn man sich die besten Mannschaften der NBA ansieht: Dort gibt es mindestens zwei, drei Spieler, denen man den Ball geben kann und die ihr Ding machen», sagte Nowitzki.

Um im kommenden Jahr wieder angreifen zu können, forderte er mit deutlichen Worten eine Verstärkung des Teams: «Wenn man eine Elite-Mannschaft sein möchte, dann braucht man zwei, drei Spieler, die jederzeit explodieren können.»

Gegen Oklahoma war der Würzburger wie so oft in dieser Spielzeit auf sich allein gestellt. 34 Punkte reichten am Ende nicht aus, um den fünften Erstrunden-Knockout in seiner Karriere zu verhindern. «Oklahoma hatte einfach mehr spielerische Waffen als wir», befand Nowitzki.

Vor allem James Harden war nicht zu bremsen und stellte mit 29 Punkten sogar Superstar Kevin Durant (24) in den Schatten. «Wir haben alles versucht, ihn zu stoppen. Wir haben fünf oder sechs verschiedene Varianten ausprobiert, aber er war zu gut», lobte Dallas-Coach Rick Carlisle.

Ohne einen Playoff-Sieg waren in der NBA-Historie vor Dallas erst vier Meisterteams geblieben. 1957 schieden die Philadelphia Warriors in der 1. Runde ebenso mit 0:4 aus wie 2007 die Miami Heat. Die Boston Celtics (1970) und Chicago Bulls (1999) verpassten sogar die K.o.-Runde. «Das war nicht lustig», kommentierte Cuban den sportlichen Tiefschlag.

Dabei hatte sich frühzeitig angedeutet, dass Dallas in der wegen des Lockouts verkürzten Saison das Format zur erfolgreichen Titelverteidigung fehlen würde. Vor der Saison hatte Cuban Leistungsträger wie Tyson Chandler, der in der Punkterunde zum besten Abwehrspieler der Liga gekürt wurde, DeShawn Stevenson und J.J. Barrea ziehen lassen. Einen gleichwertigen Ersatz holte er nicht. «Für uns als Spieler war das natürlich enttäuschend. Wir wären gerne als Meistermannschaft zusammengeblieben», meinte Nowitzki.

Nun laufen auch die Verträge von Jason Kidd (38) und Jason Terry (34) aus. Die Alt-Stars würde Cuban gerne durch Deron Williams (New Jersey Nets) oder Dwight Howard (Orlando Magic) ersetzen, um wieder um den Titel mitspielen zu können. Doch Howard ziert sich und Williams wird von mehreren Clubs umworben. Nowitzki verabschiedete sich daher mit einem mulmigen Gefühl in die Pause: «Wir haben keine Ahnung, was im Sommer passieren wird. Wir müssen abwarten, wen wir verpflichten können und wer zu uns kommen will.»

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