Online: 29.08.2016

Moderne Smartphones machen es möglich: Spielen zu jeder Zeit und an jedem Ort. Freizeitspaß in allen Farben und Formen gibt es jetzt ganz praktisch auch für unterwegs. Viele der Handyspiele sind kostenlos, aber bedeutet das auch, dass sie wirklich keine Kosten verursachen?

Streitthema Handyspiele

ZoomHandyspiele begeistern Jung und Alt. Versteckte Kosten können den harmlosen Freizeitspaß allerdings schnell zum Fass ohne Boden machen.

Von der kostenlosen App zum In-App-Kauf
Es klingt wie ein harmloses Vergnügen. Zahlreiche Spieleentwickler bieten Spiele zur kostenlosen Nutzung für das Smartphone an. Der Zugang erfolgt über den Download einer App. Diese kann tatsächlich kostenfrei zum Beispiel über den Google PlayStore oder den App Store von iTunes heruntergeladen und gespeichert werden. Nach einer kurzen Registrierung, übrigens ebenfalls kostenlos, kann es dann auch schon losgehen mit dem grenzenlosen Spielvergnügen. Aber Halt! Ganz so grenzenlos ist der Spielspaß in vielen Fällen leider gar nicht.
Ein Großteil der angebotenen Spiele-Apps stellt eine Art Basisversion des jeweiligen Spiels dar. Mit dem kostenlosen Download ist es durchaus möglich, das Spiel ohne den Einsatz von Geld zu spielen – im Rahmen gewisser Grenzen. Wer fest entschlossen ist, keinerlei Geld in ein Handyspiel zu investiere, wird schnell feststellen, dass die Möglichkeiten im Spiel dadurch deutlich begrenzt werden. Zugang zu erweiterten Optionen, höheren Spielelevels oder wichtigen Zusatzfunktionen, die für einen Erfolg im Spiel notwendig sind, gibt es meistens eben doch nur gegen Bares.
Gemeint ist das Prinzip der so genannten In-App-Käufe. Dabei können Nutzer gegen reales Geld verschiedene Optionen innerhalb des Spiels freischalten. Häufig geschieht dies über einen an das Spiel gekoppelten Online-Shop, der mit wenigen Klicks erreicht ist. Hier eröffnet sich dem Spieler ein wahres Füllhorn an Möglichkeiten, sein Geld auszugeben. Besondere Gegenstände, Boni für schnelleres Vorankommen im Spiel, individuelle Einstellungen der Grafik und der Soundoptionen und viele andere Vorteile können so gegen den Einsatz von Geld erworben werden. Die Bezahlung erfolgt bequem per Einzugsermächtigung, PayPal oder einfach über die nächste Abrechnung des Mobilfunkanbieters. Der Spieler muss selbstverständlich sein Einverständnis dazu geben, dass ihm die getätigten Käufe auf diese Art und Weise in Rechnung gestellt werden, ist eine Registrierung für kostenpflichtige Spielvarianten aber erst einmal erfolgt, sinkt die Hemmschwelle meist beträchtlich. Das liegt unter anderem auch an den werbewirksamen Einspielern, die die meisten Spieleanbieter regelmäßig geschickt direkt im Spiel platzieren. Da werden auf die individuelle Spielsituation des Nutzers abgestimmte Sonderaktionen und Rabatte angepriesen und früher oder später klicken die meisten Spieler doch einmal auf einen der verlockenden Buttons mit der Aufschrift „Jetzt kaufen“.
 
„Free To Play“ als Einstieg ins Bezahlspiel
 
„Jetzt kostenlos downloaden und los spielen“ lautet das Werbemotto zahlreicher Handyspiele. Die Verbraucherzentrale NRW warnt inzwischen vor so genannten „Free To Play Spielen“ für das Smartphone oder Tablet. Was als kostenloser Freizeitspaß angeboten wird, kann schnell zur Kostenfalle werden, vor allem für Kinder und Jugendliche. Das bedeutet keineswegs, dass von Handyspielen der Kategorie „Free To Play“ grundsätzlich abzuraten ist. Nutzer sollten sich allerdings von Anfang an über potentiell anfallende Kosten im weiteren Spielverlauf informieren und keines der angebotenen Produkte unreflektiert nutzen.
Weniger Sorgen macht Verbraucherschützern dagegen die Verbreitung von Casino-Spielen für mobile Geräte. „Casinos auf dem Mobiltelefon sind der größte Wachstumsmarkt im Gaming-Bereich“, wie in Bezug auf den Anbieter Jackpot City Casino auf einem Vergleichsportal angegeben wird. Das Online-Angebot für Casino-Fans basiert zwar grundsätzlich auf dem Prinzip des Glücksspiels gegen Einsatz von Bargeld, allerdings gestalten die meisten Anbieter die Kosten, die mit der Nutzung ihrer Spiele anfallen können, sehr transparent. Außerdem gibt es Zugangsbeschränkungen, die unter anderem die Nutzung durch Jugendliche unter 18 Jahren verhindern sollen. Experten sind sich einig: Wer sich für ein Casino-Spiel entscheidet, weiß im Vorfeld, dass es dabei um Geld geht und dass nicht nur die Chance auf Gewinne besteht.
Das Etikett „Free To Play“ dagegen schafft die Illusion, dass die Spielinhalte kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Es gibt in der Regel keine wirklich transparenten Informationen darüber, ob und in welcher Höhe im weiteren Spielverlauf Kosten anfallen können. Der Schritt zur gebührenpflichtigen Spielvariante ist unter Umständen schnell und ohne großen Verwaltungsaufwand vollzogen, was die Hemmschwelle vor allem für Kinder und Jugendliche deutlich senkt. Aufklärungskampagnen und eine verstärkte Informationspflicht der Spielebetreiber sollen die Problematik der Handyspiele als Kostenfalle künftig entschärfen.
 
Mit der richtigen Strategie die Kosten im Blick behalten

Handyspiele mit der Option der Inn-App-Käufe sind nicht grundsätzlich zu meiden. Das Konzept hat sich vielfach bewährt und bietet dem Nutzer die Wahl, ob er sich mit der Basisvarianten des Spiels zufriedengeben möchte oder ob er sich den Zugriff auf erweiterte Optionen den einen oder andere Euro kosten lassen möchte.

Wer sich bewusst für die Bezahlvariante entscheidet, sollte sich allerdings darüber im Klaren sein, dass die Zusatzoptionen bei den meisten Spielen kaum Grenzen kennen. Es gibt immer ein nächstes Level oder neu entwickelte Inhalte, die zugekauft werden können. Für besonders erfolgreiche und beliebte Spiele gibt es regelmäßige Updates, saisonale Sonderaktionen und vieles Mehr, das sich die Spielentwickler von den Nutzern bezahlen lassen. Mit einem einzigen In-App-Kauf ist es in den seltensten Fällen getan. Wer am Ball bleiben will, wird immer wieder zur Kasse gebeten. Hier ist es wichtig, das eigene Spielverhalten zu überprüfen und zu entscheiden, welche Kaufoptionen tatsächlich interessant und erforderlich sind. Außerdem ist es wichtig, sich mit dem persönlichen Kaufverhalten einmal kritisch auseinanderzusetzen und herauszufinden, ob es notwendig sein kann, Strategien zu entwickeln, die vor allzu unbedachten Käufen über das Smartphone schützen.

Ein bewährtes Prinzip sind zum Beispiel Gutscheine oder Gutscheincodes, die vorab gekauft und anschließend für In-App-Käufe genutzt werden können. So bestimmt der Spieler vorher, welchen Geldbetrag er einsetzen kann und möchte. Der Google PlayStore bietet beispielsweise die so genannte Google Play Card an. Sie kann online oder bei verschiedenen Händlern im Einzelhandel erworben und mit einem bestimmten Betrag aufgeladen werden. Das Guthaben kann anschließend für die im Google PlayStore heruntergeladenen Apps und Spiele verwendet werden. Gutscheine oder Guthabenkarten sind eine sinnvolle Möglichkeit für Eltern, um das Spielverhalten ihrer Kinder im Hinblick auf In-App-Käufe zu kontrollieren und dafür Sorge zu tragen, dass das Spielvergnügen per Smartphone oder Tablet früher oder später nicht doch zur ungewollten Kostenfalle wird.

Letztendlich können die angebotenen Handyspiele im „Free To Play“-Modus durchaus auch als Testversion betrachtet werden, um die Spielinhalte und die Spielmechanik kostenlos kennenzulernen. Am Ende der Testphase sollte aber immer die bewusste Entscheidung stehen, ob das Spiel es wert ist, ein kostenpflichtiges Upgrade zu erwerben.

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