Online: 27.09.2016

Noch nicht einmal zwei Monate ist die Europameisterschaft in Frankreich zu Ende, da hat auch für die deutsche Nationalmannschaft längst der Alltag wieder begonnen. Trotz des unglücklichen Ausscheidens im Halbfinale gegen Gastgeber Frankreich werden wohl die meisten Deutschen und auch unabhängige Beobachter den Auftritt von „La Mannschaft“ als spielerisch und kämpferisch überzeugend bezeichnen. Und auch wenn, wie nach der WM in Brasilien, einige personelle Veränderungen vorgenommen wurden, sind die Erwartungen für die aktuelle WM-Qualifikation sehr hoch.

DFB fokussiert sich auf die WM-Qualifikation für 2018

ZoomWie stehen die Chancen auf Titelverteidigung 2018?

Mit dem Auftaktsieg gegen Norwegen wurde auch der richtige Kurs eingeschlagen, dessen Ziel Gruppensieg und WM-Teilnahme lautet. Doch wie sind die Gegner in der Gruppe von Deutschland tatsächlich einzuschätzen und ist die Zielsetzung des Gruppensiegs wirklich so eindeutig, wie es viele sehen möchten? Nicht zuletzt die Erfahrung der EM lehrt, dass vermeintlich kleine Gegner großen Mannschaften das Leben schwer machen können. Eine weitere Unbekannte: Wie wirkt sich der Abgang der Integrationsfigur Bastian Schweinsteiger auf das Team aus?

Wie stehen die Chancen auf Titelverteidigung 2018?

Trotz allem muss man wohl kein Prophet sein, um die Chancen auf die WM Teilnahme in Russland als hoch einzuschätzen. Hieraus resultiert natürlich sofort die Frage, mit welchem Abschneiden in zwei Jahren zu rechnen ist. Grundsätzlich dürfte Deutschland unabhängig vom Verlauf der Qualifikation als Favorit gelten. Darüber hinaus gilt es als Binsenweisheit, dass ein Turnier seine eigenen Gesetze und Dynamiken entfaltet. Aufgrund der heutigen Verfassung, der Kontinuität der letzten Jahre und der Tradition als erfolgreiche Turniermannschaft sollte ein Abschneiden innerhalb der letzten vier aber ein durchaus realistisches Ziel sein. Die Buchmacher gehen sogar davon aus, dass Deutschland Favorit auf den Titel ist. Darüber hinaus gibt es aber auch noch weitere Mannschaften, denen bereits jetzt eine gute Chance auf den Titel eingeräumt wird:

-          Spanien

-          Argentinien

-          Brasilien

-          Frankreich

-          Italien

-          Belgien

 

Auftaktsieg gegen Norwegen - im Oktober dann gegen Tschechien

Fußball ist immer wieder für Überraschungen gut, doch in der ersten Partie, die Deutschland im Rahmen der WM-Qualifikation in Russland bestritt, gab es diese zum Glück nicht. Dass eine Niederlage gegen Norwegen als Überraschung gewertet worden wäre, unterstreicht noch einmal die Favoritenrolle Deutschlands in dieser Gruppe. Als im Sommer vorigen Jahres die Qualifikationsgruppen ausgelost worden, waren Bundestrainer und Medien erleichtert. Nach einhelliger Meinung war Deutschland, wie schon so oft, das Losglück hold und hatte eine denkbar leichte Gruppe erwischt. Mit dem Gegner Norwegen wurde dabei möglicherweise schon der stärkste Vertreter geschlagen. Folgende Gegner sind in der Gruppe C vertreten:

-          Norwegen

-          Tschechien

-          Nordirland

-          Aserbaidschan

-          San Marino

Wenn am achten Oktober der zweite Spieltag der Qualifikation stattfindet, trifft Deutschland mit Tschechien wieder auf einen stärkeren Gegner. Denn obwohl der kleine Nachbar sein Auftaktspiel gegen Aserbaidschan mit 1:0 verloren hat, sollte die seit August 2016 von Karel Jarolim trainierte Elf nicht unterschätzt werden. Rein vom Papier her sind natürlich auch hier die Rollen klar verteilt. Favorit ist eindeutig Deutschland, zumal der amtierende Weltmeister Heimvorteil genießt. Für die Partie, die im Hamburger Volksparkstadion ausgetragen wird, kann der Nationaltrainer Juri Löw aus heutiger Sicht personell aus dem Vollen schöpfen. Allerdings ist hier zu bedenken, dass auch der Ligabetrieb in den europäischen Ligen wieder auf vollen Touren läuft, so dass hier eine endgültige Prognose erst unmittelbar vor dem Spiel gestellt werden kann. In jedem Fall verfügt der Bundestrainer über eine sehr breite Personaldecke. Einzelne Ausfälle können dabei nach Meinung von Experten adäquat kompensiert werden. Seit langem gilt es dabei als ein Vorteil der deutschen Mannschaft, dass das Spiel eben nicht auf einen Star zugeschnitten ist, sondern tatsächlich auf viele Schultern verteilt ist. Doch wie stark ist Tschechien nun eigentlich einzuschätzen? Ein Blick auf den tschechischen Kader zeigt, dass es an internationaler Erfahrung nicht mangelt. Deutschen Fans dürften einige Spieler bekannt sein:

-          Mittelfeldspieler von Hertha BSC Vladimir Darida

-          Pavel Kaderabek aus der Abwehr von 1899 Hoffenheim

-          Peter Cech von Arsenal London

Unumstrittener Star und erfahrener Rückhalt ist wohl nach wie vor der Torhüter Peter Cech, der aktuell in der Premier League bei Arsenal London spielt. Mit dem Torjäger Milan Skoda vom heimischen Club Sparta Prag verfügt Tschechien auch über einen torgefährlichen Angreifer. Entscheidend wird natürlich sein, ob der Trainer aus den in Europa verstreuten Individualisten ein schlagkräftiges Team formieren kann.

Der große Abgang - Schweinsteiger ist kein Nationalspieler mehr

Einen großen Umbruch hat es bei der deutschen Nationalelf weder nach der WM in Brasilien noch nach der letzten EM in Frankreich gegeben, wenngleich zuletzt zwei wichtige Spieler den Kader verlassen haben. Mit Bastian Schweinsteiger, der sich zuletzt mit einem emotionalen Auftritt bei seinem Abschiedsspiel von der internationalen Bühne verabschiedete, aber auch mit Lukas Podolsky verlassen zwei Spieler das Team, die nicht nur das Spiel der Mannschaft lange bestimmt haben, sondern die auch mit ihrem Charakter für das positive Bild der Mannschaft in der Öffentlichkeit verantwortlich waren. Gerade Schweinsteiger wurde die Fähigkeit zugeschrieben, die Mannschaft sportlich zusammenzuhalten und zu motivieren. Lukas Podolsky nahm eher die Rolle der Stimmungskanone ein, die aber auf dem Platz stets die optimale Leistung abrufen konnte. Doch auch wenn Schweinsteiger mit seinem Tor gegen die Ukraine noch einmal für Aufsehen sorgte, konnte er in seinem letzten großen Turnier nicht mehr zu den tragenden Kräften des Teams gezählt werden. Das gleiche gilt für Lukas Podolsky, der nur bei einer Pressekonferenz zu seinem Auftritt kam, als er Bundestrainer Jogi Löw zur Seite sprang. Die Abgänge sind also stärker ideeller als sportlicher Natur. Dies stellt einen gewissen Unterschied zur WM 2014 dar, also mit Per Mertesacker und Philipp Lahm zwei extrem wichtige Figuren im Konzept von Bundestrainer Löw Ihre Länderspielkarriere an den Nagel hängten. 

Kann Deutschland den Titel in zwei Jahren verteidigen? Es dürfte spannend werden.

Fazit – Deutschland weiter in gutem Fahrwasser

Deutschland befindet sich auch nach der EM in Frankreich, bei der es unglücklich im Halbfinale ausgeschieden ist, in gutem sportlichem Fahrwasser. Der erste Sieg in der Qualifikation gegen Norwegen macht in jeden Fall Hoffnung auf mehr. So schmerzlich die Abgänge von Schweinsteiger und Podolsky auch sind, an der hohen sportlichen Qualität der Mannschaft wird dies in den nächsten Monaten und Jahren wenig ändern.

 

Bildquellen:

Abbildung 1: © geralt (CC0-Lizenz)/ pixabay.com

Abbildung 2: © jarmoluk (CC0-Lizenz)/ pixabay.com

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