Online: 21.02.2017

Keine Angst vor Risiken

ZoomMatthias Loa, Apotheker in Clenze Foto: D. Muchow

Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker. Wer kennt diesen Satz nicht. Ist dieser doch Standard in den Fernsehspots für Arzneimittel. Aber gerade der Beipackzettel kann zusätzlich Kopfschmerzen bereiten. Viel Text, kleine Schrift. Allein zwei überdimensionale Seiten für ein gängiges Fieber- und Schmerzmittel.
„Und das ist noch wenig“, weiß Matthias Loa, Apotheker aus Clenze. Er führt dort in vierter Generation die Adler-Apotheke. DAN bleibt gesund! sprach mit dem Arneimittelexperten darüber, wie man mit den Hinweisen zu Pillen, Tropfen und Co. umgehen sollte.
DAN bleibt gesund!: Herr Loa, warum erschlägt uns die Fülle von Informationen eines Beipackzettels?
Apotheker Matthias Loa: Das heutige Arzneimittelgesetz ist aus den Folgen des Contergan-Skandals Anfang der 1960er-Jahren hervorgegangen. Es stellt im Sinne des Verbraucherschutzes hohe Anforderungen an Medikamente. Diese Anforderungen lassen den Beipackzettel so lang werden.
Wie spiegelt sich dies wider?
Das heißt, dass insbesondere im Bereich der Nebenwirkungen alle Studienergebnisse einfließen. Auch während das Medikament am Markt ist, wird weiter auf Nebenwirkungen geachtet. Dazu gibt es ein Meldesystem. Und dies alles fließt dann laufend in den Beipackzettel ein.

Das kann einem Angst machen.
Ja. Die tägliche Erfahrung hat gezeigt, dass sich viele Patienten dadurch verunsichern lassen. Wenn man etwas liest, erwartet man auch, dass dies eintritt. Aber: Der Beipackzettel gibt zwar Hinweise zur Häufigkeit einer Nebenwirkung, dies heißt dennoch nicht, dass diese auch eintreten muss. In der Regel tritt eine Nebenwirkung nämlich nicht ein. Und ob jemand eine Nebenwirkung, die mit häufig angegeben wird, als häufig empfindet, ist doch je nach Sprachgebrauch sehr individuell.
Es gibt ja mittlerweile auch Beipackzettel, in denen zu den Wörtern wie „häufig“,
„gelegentlich“ sowie „selten“ und „sehr selten“ zusätzlich Zahlen angegeben sind. Haben Sie Vergleiche?
Wenn 1 von 78 Männern farbenblind ist, würde dies im Beipackzettel als häufig gelten. Hätte ich Sie gefragt ob es häufig vorkommt, als Mann farbenblind zu sein, was hätten Sie geantwortet? Arzneimittel mit einer schweren Nebenwirkung würden auch nur für sehr schwere Erkrankungen zugelassen. Hier findet stets eine Nutzen-Risiko-Abwägung statt.
Was raten Sie Patienten bei Unsicherheiten?
In erster Linie sollte man sich fragen, was einen beunruhigt und ob die Sorge berechtigt ist. Grundsätzlich sollte man auf den Arzt und Apotheker vor Ort vertrauen, dass diese sich Gedanken gemacht haben, dass das gewählte Medikament das Richtige ist. Auf keinen Fall sollte man ein Medikament aus Sorge vor Nebenwirkungen eigenmächtig absetzen. Das könnte den Therapieerfolg verhindern und sogar gefährlich sein. Das Aussteigen aus einer Therapie sollte betreut und in Absprache mit dem Arzt erfolgen. Wenn Zweifel bestehen, ist die Rücksprache ratsam. Wir sind da. Im Zweifel kann man auch anrufen.

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