Online: 18.06.2018

Dampfen am Arbeitsplatz - ist das erlaubt?

Immer mehr Raucher versuchen mit der E-Zigarette mit dem Rauchen aufzuhören und der Anblick der riesigen Dampfwolken auf den Straßen ist längst nicht mehr ungewöhnlich. Aber mit den steigenden Zahlen der "Dampfer" - immerhin 3,7 Millionen Deutsche sollen 2017 regelmäßig zur E-Zigarette gegriffen haben - stellen sich neue Fragen: Darf man im Büro dampfen? Muss der Arbeitgeber einen speziellen Dampferraum zur Verfügung stellen? Gibt es jetzt statt der Zigarettenpause eine Dampf(er)pause?

Wie sieht die rechtliche Lage aus?
Die E-Zigarette ist, verglichen mit Tabakerzeugnissen, noch relativ neu. Dementsprechend schwierig ist auch die rechtliche Einordnung, denn es gibt es noch keine einheitliche Gesetzgebung und ergo auch kein offizielles Verbot. Einzig ein Urteil des OVG Münster (AZ: 4A 775/14) bringt Anhaltspunkte. In diesem Fall wurde geurteilt, dass das Nichtraucherschutzgesetz nicht einfach so auf das Dampfen übertragbar sei. Schließlich bezieht sich der Begriff Rauchen - inklusive der damit verbundenen gesundheitlichen Risiken und Gefahren - auf die Verbrennung von Tabak. Das bei der E-Zigarette bekanntlich nicht der Fall. Allerdings bedeutet dieses Urteil nicht, dass man automatisch auch im Büro dampfen darf. Es ist beispielsweise noch nicht rechtlich geklärt worden, ob das Dampfen mit der Arbeitsstättenschutzverordnung vereinbar ist. Und die Devise 'Was nicht verboten ist, ist grundsätzlich auch erlaubt' greift hier nicht. Letztlich hat der Arbeitgeber Hausrecht und gibt vor, was in seinem Unternehmen gestattet ist und was eben nicht.

Alles eine Frage der Kommunikation
Ob man im Büro dampfen darf oder nicht, ist also letztendlich eine Frage des Arbeitgebers. Der kann - zumindest solange die rechtliche Lage nicht abschließend geklärt ist - das Dampfen wie bereits angerissen durch sein Hausrecht verbieten. Allerdings wagen einige Juristen die Aussage, dass ein solches Verbot von Gerichten gekippt werden müsse, da nicht bewiesene Gesundheitsrisiken als Begründung nicht ausreichend seien.

Natürlich gibt es Bereiche, in denen ein Dampfen am Arbeitsplatz aber trotzdem verboten werden kann: Beispielsweise in Verkaufsräumen mit Kundenverkehr, in Restaurants, in sensiblen Produktionsbereichen oder auch an Tankstellen. Und auch, wenn der Arbeitnehmer es übertreibt und mehr dampft als zu arbeiten, kann ein individuelles Verbot ausgesprochen werden - das gilt sowohl für das Dampfen am Arbeitsplatz als auch in genommenen "Dampferpausen".

Ab ins Raucherzimmer?
Für Arbeitgeber gibt es eines zu beachten: Sie können nicht einfach bestimmen, dass die Dampfer in das - falls vorhanden - ausgewiesene Raucherzimmer gehen müssen, um dort zu dampfen. Denn wie schon festgestellt wurde: Dampfer sind keine Raucher und müssen durch das Nichtraucherschutzgesetz vor dem wesentlich schädlicheren Zigarettenrauch geschützt werden. Also gilt: entweder ein eigener Raum für Dampfer oder aber das Rauchen und das Dampfen sind nur im Freien gestattet. Denn ist ein Raucherzimmer vorhanden, dürfen Dampfer nicht benachteiligt und 'an die frische Luft' geschickt werden.

Ist die E-Zigarette weniger schädlich als Tabakzigaretten?
Immer mehr Studien scheinen zu belegen, dass die E-Zigarette tatsächlich weniger schädlich ist als das Rauchen. Der größte Vorteil ist dabei natürlich, dass es zu keinem Verbrennungsprozess kommt. Dieser ist bei der Tabakzigarette für einen Großteil der schädlichen Inhaltsstoffe verantwortlich. Zudem können im Zigarettenrauch bis zu 4.000 chemische Verbindungen entstehen, von denen rund 80 nachgewiesener Weise krebserregend sind.

Bei der E-Zigarette wird ein bestimmtes Liquid erhitzt, welches mit oder auch ohne Nikotin sein kann. Es gibt keine Verbrennungsrückstände, keine Asche, keine Ablagerungen auf den Büromöbeln und auch keine besondere Geruchsbelästigung. Im Gegenteil, oftmals riecht der E-Zigarettendampf leicht süßlich oder recht neutral. Zwar gibt es noch keine Langzeitstudien zum Konsum von E-Zigaretten, aber sämtliche bisherigen Studien lassen darauf schließen, dass Dampfen deutlich weniger schädlich ist als Rauchen. Eine englische Studie der Exekutivagentur Public Health England zeigt auf, dass die E-Zigarette sogar 95 % weniger schädlich sein soll als ihr Tabakäquivalent.

Gibt es "Passivdampf" bei der E-Zigarette?
Der Grund, warum im Büro das Nichtraucherschutzgesetzt greift, ist die Tatsache, dass der Rauch auch für Anwesende, die nicht rauchen, äußerst schädlich ist. Wie sieht das bei dem Dampf der E-Zigarette aus? Auch hierzu gibt es bereits einige Studien. So unter anderem des Fraunhofer Instituts in Braunschweig, wo Wissenschafter die Schadstoffemissionen von E-Zigaretten in der Raumluft gemessen haben. Dabei kam man zu dem Ergebnis, dass durch den Dampf einer E-Zigarette kein krebsförderndes Formaldehyd freigesetzt werden würde. Auch eine Untersuchung des Rosweel Park Center Institute in den Vereinigten Staaten kommt zu dem Schluss, dass keine tabakspezifischen Verbrennungsprodukte freigesetzt werden.

Die Clarkson Universität in den Vereinigten Staaten veröffentlichte im Magazin "Inhalation Toxicology" eine Raumluftstudie, welche die Auswirkung von E-Zigaretten-Dampf auf die Raumluft untersuchte und konnte keine ersichtlichen Gesundheitsrisiken für den Menschen nachweisen.

Kommunikation als Schlüssel für ein gutes Arbeitsklima
Dampfer haben oftmals eine Raucherkarriere hinter sich und sind mit der E-Zigarette auf eine weniger schädliche Alternative umgestiegen. Da dies sich auch positiv auf die Gesundheit der Mitarbeiter auswirken kann, kann das Unternehmen davon profitieren: Gesündere Mitarbeiter fehlen seltener und können ihr volles Potenzial abrufen. Viele Dampfer sind zudem sehr gerne dazu bereit, über die E-Zigarette zu informieren und Bedenken in Bezug auf die E-Zigarette aus dem Weg zu räumen. Oft basiert die Ablehnung gegenüber dem Dampfen der fälschlichen Annahme, dass es ähnlich schädlich wie das Rauchen sei. Und vielleicht kann so ein dampfender Mitarbeiter im Büro sogar einen rauchenden Kollegen dazu bringen, auf die E-Zigarette umzusteigen und ihm gute E-Zigaretten Sets für Einsteiger vorstellen.

Zudem kann man versuchen, wenn das Dampfen im Büro erlaubt wird, das Miteinander so unbeeinträchtigt wie möglich zu gestalten. Beispielsweise, indem der Dampfer während der Arbeitszeit auf besonders intensiv aromatisierte Liquids verzichtet oder die Büroräume regelmäßig gelüftet werden, damit man nicht irgendwann vor lauter Dampf den Computermonitor nicht mehr erkennen kann. Doch wie wir uns auch drehen und wenden, das Dampfen im Büro ist und bleibt wohl auch vorerst eine 'Grauzone'. Es kann erlaubt werden, muss aber nicht erlaubt sein. Hier werden Gerichte letzte Klarheit schaffen müssen.

Bild: pixabay.com/lindsayfox (CC0 1.0)

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