Online: 28.08.2018

Kino

“Following Habeck” - Der etwas andere Politiker

So genau weiß man nicht, was einem dieses Politikerporträt sagen soll. In der Doku “Following Habeck” (Kinostart am 30. August) von Malte Blockhaus begegnen wir Robert Habeck, dem Noch-Landwirtschaftsminister von Schleswig-Holstein. Der ist zwar lässig und wortmächtig, aber als es spannend wird mit seiner Karriere, bricht der Film ab.

Mit dem Klischee eines Politikers hat Robert Habeck wenig gemein. In Reden und Interviews findet der Grünen-Chef “krass” und “geil”, was andere als “Herausforderung” bezeichnen würden. Die weiten Jeans und die verstrubbelte Frisur lassen eher an einen Sozialarbeiter denken als an einen Landesminister, der Habeck noch bis zum September in Schleswig-Holstein ist.

Habecks Lässigkeit ist durchaus kinotauglich

Und wenn Habeck mal auf eine Frage keine Antwort weiß, wirkt er froh darüber - weil der promovierte Philosoph dann vom Wert des Zweifels und Nicht-immer-alles-Wissens schwärmen kann. In der Politik ist so viel inszenierte Lässigkeit selten - auf der Leinwand dagegen nicht. Da ist es nicht allzu überraschend, dass der Politiker Habeck nun ins Kino kommt.

Der Dokumentarfilm “Following Habeck” begleitet Habeck bei seinem - zunächst gescheiterten - Versuch, von der Landes- in die Bundespolitik zu wechseln. 2015 entschloss er sich, bei der Urwahl der Grünen zur Bestimmung ihres Spitzenkandidatenduos für die Bundestagswahl 2017 mitzumachen.

Die Wackelkamera folgt ihm auf Parteitagsbühnen, in TV-Studios, auf Autofahrten. Da Habeck zugleich Landwirtschaftsminister ist, sieht man ihn auch mit Bauern und Jägern streiten. Habeck, wie er Orden verleiht. Habeck, wie er im Erntedank-Festumzug mitläuft, Habeck, wie er im Bundesrat sitzt.

Der Grünen-Chef erhält Gelegenheit, den Anpacker zu geben

Das ist selten spannend; daran ändert auch das mondscheinsonatige Klavier nichts, mit dem die Ereignislosigkeit unterlegt wird. Zwischendrin hat Habeck viel Gelegenheit, den Anpacker zu geben - etwa wenn er an einem Sonntagabend, nachdem er wegen Geflügelpest die Tötung Tausender Hühner beschlossen hat, spöttisch anmerkt, dass seine Partei an diesem Tag “in Münster Parteitag macht”.

Seltsamerweise endet der Film, als die Biografie des Politikers Fahrt aufnimmt. Die Bundestagswahl, die Jamaika-Verhandlungen, die Kandidatur um den Parteivorsitz - das taucht leider nur als knappe Erwähnung im Abspann auf.

Von Marina Kormbaki / RND

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