Online: 29.08.2018

Kino

Eher Segen als Schrecken - “Käpt'n Sharky”

“Käpt'n Sharky” (Kinostart am 30. August) wäre gern der gefürchtetste Pirat der Weltmeere. Er kann aber nicht raus aus seiner guten Haut. Hubert Weiland präsentiert einen schlicht animierten Einstiegsfilm für die jüngsten Kinogänger.

Sein Name ziert Bettwäsche, Trinkbecher, Butterbrotdosen, Fahrradklingeln, Poolnudeln und noch viele andere Merchandising-Produkte der eher harmlosen Art. Wenn Käpt'n Sharky das wüsste, wäre er womöglich sauer.

Sharky: Anspruch und Wirklichkeit klaffen auseinander

Schließlich hält sich der als Kinder- und Hörbuchheld bekannt gewordene Geselle für den furchterregendsten Piraten der sieben Meere. Allerdings klaffen Anspruch und Wirklichkeit weit auseinander. Niemand nimmt den kleinen, etwas füllig geratenen Möchtegern-Freibeuter für voll. Das ist zumindest der Stand am Anfang seines Kinodebüts. Das gibt ihm im Folgenden freilich die Chance, sein Image aufzupolieren.

Als Sharky Richtung Oranienstadt in See stechen will, muss er feststellen, dass außer seiner Crew - Affe Fips, Papagei Coco und Ratte - noch ein Junge und ein Mädchen an Bord sind. Michi hat sich dort versteckt, weil er eines Diebstahls verdächtigt wird, Admiralstochter Bonnie ist ihrem Vater entwischt, der sie in ein Internat stecken will.

Der pummelige Käpt'n sitzt bald zwischen allen Stühlen

Da sie einen Kompass dabei hat und Segelerfahrung besitzt, kann Bonnie für sich und Michi das Bleiberecht erwirken. Für Sharky bedeutet das, dass er nun nicht nur von seinem Piratenrivalen, dem Alten Bill, verfolgt wird. Er hat auch noch das Marineschiff des Admirals am Heck, der ihn für den Entführer seiner Tochter hält.

Optisch macht der Film nicht so viel her. Animation und Bildhintergründe sind recht schlicht gehalten. Gleichwohl gibt es auch ein paar Hingucker. Etwa das fein abgestimmte Treiben unzähliger Krabben, die Sharkys Schiff, das bei einem Scharmützel lädiert wurde, in einer Höhle wieder flottmachen.

Inhaltlich zeigt der Film überzeugend, dass auch Kleine Großes zustandebringen können, wenn sie zusammenhalten. Käpt'n Sharky, seinem Wesen nach eher Segen als Fluch der Karibik, erkämpft sich mit Hilfe seiner Crew den Respekt seiner Widersacher.

Das Personal der Buchvorlagen wurde um ein toughes Mädel bereichert

Zudem ist es ein kluger Schachzug, das Figurenarsenal der Bücher um ein toughes Mädel zu bereichern. Die freiheitsliebende Bonnie, die sich von ihrem Vater emanzipiert, hat jedenfalls das Zeug dazu, junge Zuschauerinnen mit an Bord zu holen.

Von Jörg Brandes / RND

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