Online: 31.08.2018

Deko in der Wohnung

Ikea zeigt im Katalog keine Bücher mehr - und die Buchbranche fürchtet sich

Die Billy-Regale im Ikea-Katalog 2019 sind mit Geschirr, Wolle und Bastelsachen bis oben hin vollgestopft - aber nicht mit Büchern. Ein Branchenmagazin schlägt Alarm.

Schöne, neue Möbelwelt: Der Ikea-Katalog verstopft seit einigen Tagen wieder wie gewohnt die Briefkästen. Zu sehen ist, was in den nächsten Monaten die Wohnungen der Republik zustellen wird: hübsch drapierte Kissen, passendes Geschirr und andere Staubfänger. Was fehlt? Das Buch. In älteren Ausgaben des schwedischen Möbelhauses umgaben sich die Familien noch wie selbstverständlich mit “Pippi Langstrumpf” und anderen Klassikern. Jetzt jedoch wurden die Bücher hier so gründlich entfernt wie in dem Roman “Fahrenheit 451”. Nur auf einem einzigen Bild ist noch ein lesender Mann zu sehen - der wird jedoch von Büchern geradezu erschlagen. Das Branchenmagazin “Buchreport” äußerte postwendend den Verdacht, das Lesen werde hier als erschöpfende Angelegenheit verteufelt.

Das Buch: kann noch nicht einmal mehr als Deko herhalten

Die Angst geht in der Literaturszene herum, denn immer weniger Menschen kaufen Bücher. So hat es der Börsenverein des Deutschen Buchhandels im Juni verkündet: 6,4 Millionen Käufer hat die deutsche Buchbranche zwischen 2013 und 2017 verloren - immerhin 18 Prozent der lesenden Kunden. Und jetzt macht das Buch anscheinend noch nicht einmal mehr als dekoratives Wohnaccessoire etwas her.

Ein erster Schritt dazu war der Einrichtungstrend im Frühling, Bücher mit dem Rücken zur Wand in die Regale zu stellen. So konnte der Betrachter den Titel nicht lesen. Das Buch nahm sich höflich in der Raumwahrnehmung zurück und zeigte nur noch sein nacktes Eierschalenweiß - nicht den Inhalt. Und jetzt braucht Ikea das Buch offenbar nicht einmal mehr als Deko, um das Billy-Regal zu füllen.

Notfalls kann man sich ja immer noch den Ikea-Katalog ins Regal stellen, der hat ja auch 300 Seiten. Und er erscheint jährlich in einer höheren Auflage als die Bibel, das Buch aller Bücher.

Von Geraldine Oetken / RND

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