Online: 11.09.2018

Kino

“Book Club” - Geht's auch mal ohne Mann?

Auch in Hollywoods Seniorenkomödien fühlen sich die Damen nur bemannt richtig wohl. Bill Holdermans einfältiges Filmlustspiel “Book Club” (Kinostart am 13. September) pflegt ein ärgerliches und überkommenes Frauenbild.

Hollywood hat das Seniorenkino als Marktsegment für sich entdeckt. Gereicht wird der zahlungswilligen Babyboomer-Generation leicht verdauliche Kost, die die Blutdruckwerte nicht in die Höhe treibt. Nun kommt mit Bill Holdermans “Book Club” ein Genreprodukt ins Kino, das sich gezielt an das weibliche Ü60-Publikum richtet.

Im Zentrum steht ein Lesekreis, in dem sich vier Freundinnen seit mehr als vier Jahrzehnten treffen. Die gemeinsame Lektüre von “Fifty Shades of Grey” sorgt bald schon dafür, dass die Damen sich wieder auf ihr eigenes Liebesleben besinnen.

Der Regisseur bedient das Harmoniebedürfnis der Zielgruppe

Die frisch verwitwete Diane (Diane Keaton) bändelt mit einem schmucken Piloten (Andy Garcia) an. Die Lebefrau Vivian (Jane Fonda) sieht sich mit einem Liebhaber aus alten Tagen konfrontiert. Die geschiedene Bundesrichterin Sharon (Candice Bergen) probiert ein Datingportal aus, und Carol (Mary Steenburgen) mischt ihrem Mann Viagra ins Bier. So bekommt jedes Töpfchen sein Deckelchen.

Mit erschreckender Einfältigkeit bedient Holderman die (unterstellten) Harmoniebedürfnisse seiner Zielgruppe, gleitet mit der Kamera von einem schmucken Eigenheim ins nächste und rückt die Damen stets ins vorteilhafteste Licht. Die Makellosigkeit auch der Figuren untergräbt die Botschaft vom würdigen, lustvollen Altern.

Wirklich ärgerlich ist jedoch das Prinzip der Unterforderung, mit dem hier zu Werke gegangen wird. Unterfordert werden nicht nur die hochkarätigen Schauspielerinnen und das Zielpublikum, sondern auch die Frauenfiguren im Film, die mit beiden Beinen im Leben stehen, aber nur durch männlichen Beistand glücklich werden dürfen.

Von Martin Schwickert / RND

^ Seitenanfang