Online: 03.09.2018

Neuer Borowski-Fall aus Kiel

Horror im “Tatort”: Ergibt das Sinn?

Der Kieler “Tatort” vom Sonntag hat einen Abstecher ins Horror-Genre unternommen. Kommt jetzt wieder eine Diskussion über experimentelle Krimis?

Horror im Kieler “Tatort”, war das eine gute Idee? Im letzten Herbst näherte sich der Sonntagskrimi diesem Genre häufiger. Im Oktober 2017 lief ein Geisterhaus-Gruselstück aus Frankfurt, die Schlagzeilen der Kritiker waren deutlich: “Jetzt drehen die alle durch!” oder “Horror-Tatort vertreibt Zuschauer”. Gerade in jenen Wochen waren bereits ein Porno-“Tatort” aus München und eine Stuttgarter Folge über Verschwörungstheorien der RAF-Suizide in Stammheim zu sehen. Das war filmisch durchweg ambitioniert, doch das Publikum hat gegen die riskante Form oft protestiert.

Nur noch zwei experimentelle ARD-Krimis pro Jahr?

Seither gibt es ein neues Konzept bei der ARD: Es sollen nur noch zwei experimentelle “Tatorte” pro Jahr in Auftrag gegeben werden. Mit dem Kieler Stück ist am Sonntag einer dieser Freischüsse zu sehen gewesen. Ein solider, mitunter starker Auftritt, selbst wenn man nicht an Geister glaubt. Bei Kommissar Borowski (Axel Milberg) sind solche ungewöhnlichen Formate gut aufgehoben, weil er mit seiner nordischen Ruhe den Gespenstern angenehm nüchtern den Zahn gezogen hat.

Will man sowas öfter sehen? Auch wenn der ARD-Beschluss ein opportunes Echo auf die Kritik der Zuschauer war: Ein Krimi ist nicht die ideale Gattung, um mit Geschichten zu experimentieren. Der Mord ist die Arbeitsgrundlage eines Krimis - so ein Mord bleibt eine schlimme Sache, er muss ernst genommen werden und darf nicht als Einladung für Extravaganzen dienen, die sich mehr um die filmische Sprache als um die Tragik der Geschichte kümmern. So viel Moral muss im “Tatort” erlaubt sein.

Von Lars Grote

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