Online: 08.09.2018

Wochenendkolumne

Dummheit ist die Mutter aller politischer Probleme

Wer ist Schutzsuchender? Wer Wirtschaftsflüchtling? Fragen, die Christoph Oppermann in seiner Wochenendkolumne zu beantworten versucht.

Es ist verwirrend. Stellen wir uns vor, jemand fühlt sich so unsicher, unglücklich, verstoßen, verfolgt und ungewollt, dass er seine Heimat verlässt, in einem anderen Land Fuß zu fassen trachtet und dort sogar eine Anstellung findet, die bedeutender, besser bezahlt und von größerer Tragweite ist als die Berufstätigkeit, die er zu Hause ausübte. Ist so jemand ein Schutzsuchender? Ein Wirtschaftsflüchtling? Oder einfach nur ein abgerockter CSU-Grande, der nicht mehr Regierungschef sein durfte?

Wie gesagt: Verwirrend.

Richtig diffizil wird's aber, wenn der abgerockte, schutzsuchende CSU-Wirtschaftsflüchtling sich sperrig zeigt, sobald es um Integration geht. Den Akzent mag man noch durchgehen lassen, aber bei Logikschwächen und Bildungslücken gerät die Angelegenheit dann schon zum Ärgernis nationalen Ausmaßes. Die Seehofer-Aussage “Die Migrationsfrage ist die Mutter aller politischen Probleme in diesem Land” gehört zu den steilsten Thesen, die in diesem Zusammenhang denkbar waren.

Respekt. Darauf muss man erstmal kommen. Doch Heimat-Horst kann machen, was er will: “Mutti” schmeißt ihn einfach nicht raus. Und da kommen wir dem Problem vermutlich schon recht nahe: Er hat zwar die halbwegs richtigen Worte verwandt, aber eben nicht im richtigen Zusammenhang, wie wir es ja von früheren CSU-Chefs und -Ministerpräsidenten gewohnt sind. Erinnert sei hierbei nur an die Begriffe “München”, “Heathrow” und “Flughafen”. Das Problem, das der Minister für Inneres, Verfassung und Herumzündeln offenbar beschreiben wollte, ist Folgendes: Er kommt seit Jahren nicht an Merkel vorbei. Inzwischen wohl auch so eine Art Mutterkomplex.

Nur einen Meter weiter am rechten Rand, in diesem Fall passt wohl der Begriff “Schlagweite”, werden übrigens schon Phantasien über Säuberungen in Medienhäusern laut. Kaum auf die eigene Badehose aufpassen können, aber eine “Revolution” entwerfen. Toll, nicht wahr? Vielleicht sollten wir Journalisten uns schon einmal zusätzliche Reisezahnbürsten zulegen für den Fall, dass nach alter deutscher Sitte wieder zur kleinteiligen Gehwegpflege “eingeladen” wird. Sie halten irgendetwas aus den vorangegangenen Zeilen für Satire? Nichts da. Die Wirklichkeit überholt im Moment jeden Kolumnisten im Eiltempo.

Da aber es der Karriere nur zuträglich sein kann, möglichst griffige Thesen zu formulieren, enthüllen wir dem Heimatminister doch einmal Folgendes:

1. Dummheit, und nichts anderes, ist die Mutter aller politischen Probleme in diesem Land.

2. Deutschland hat ein Problem mit Freistaaten.

So, und von nun an schlafe ich nur noch bei offenem Fenster, um “Muttis” Ruf aus Berlin nicht zu überhören.

Schönes Wochenende,

Christoph Oppermann

Von Christoph Oppermann/GT/RND

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