Online: 10.09.2018

Neuer Höchststand

Mehr als eine Million Leiharbeiter in Deutschland

Die Leiharbeit war eingeführt worden, um Betrieben mit vollen Auftragsbüchern mehr Flexibilität zu ermöglichen. Neue Zahlen des Bundesarbeitsministeriums zeigen, dass die Branche weiter boomt.

Die Zahl der Leiharbeiter in Deutschland ist seit 2007 um 43 Prozent gestiegen. Das geht aus der Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage der Linksfraktion hervor, die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegt. Ende Dezember 2017 waren demnach 1.021.589 Menschen als Leiharbeiter beschäftigt. Damit wurde ein neuer Höchststand bei dieser Form der Beschäftigung erreicht.

Ende 2007 hatte die Zahl der Leiharbeiter noch bei 721.345 gelegen. Der Anteil an der Gesamtbeschäftigung lag im vergangenen Jahr bei 2,8 Prozent. In Metallbearbeitung oder im Lager- und Postbereich ist der Anteil der Leiharbeiter mit 14,9 Prozent beziehungsweise 12,0 Prozent deutlich höher.

So Beschäftigte erhalten nach Ministeriumsangaben einen deutlichen geringeren Lohn als andere Arbeitnehmer. Im vergangenen Jahr betrug der mittlere Bruttolohn von Vollzeit-Leitarbeitern 1868 Euro monatlich, der von allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten 3209 Euro.

60 Prozent fanden nach Ende der Leiharbeit neue Beschäftigung

Die Regierungsantwort bietet auch Daten zur umstrittenen Frage, ob Leiharbeit eine Brücke in reguläre Beschäftigung darstellt. Knapp 40 Prozent derer, die im zweiten Halbjahr 2017 ein Beschäftigungsverhältnis in der Leiharbeit beendeten, hatten 90 Tage danach noch keinen neuen Job. Rund 60 Prozent fanden in diesem Zeitraum eine neue Beschäftigung - rund 40 Prozent von ihnen jedoch ein weiteres Mal in der Leiharbeit.

Linken-Fraktionsvize Susanne Ferschl sagte, diese Form der Arbeit biete keine Zukunftsperspektive. “Leiharbeiter sind Beschäftigte zweiter Klasse und zu Recht kann von moderner Sklaverei gesprochen werden”, so die Bundestagsabgeordnete.

“Wenn zwei Menschen im gleichen Betrieb dasselbe tun und der eine 1300 Euro weniger bekommt, dann ist das politisch verordnete Lohndrückerei.” Der Einsatz von Leiharbeitern führe zur Spaltung von Belegschaften und sei “eine offene Drohung gegenüber Stammbelegschaften, ihre Lohnforderungen gering zu halten”.

Von Rasmus Buchsteiner/RND

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