Online: 28.08.2018

Nafta-Bruch

US-Handelsvertrag mit Mexiko schließt Kanada aus

Wie andere Abkommen auch hat US-Präsident Donald Trump das nordamerikanische Freihandelsabkommen mit Mexiko und Kanada als Katastrophe bezeichnet. Mit einem der beiden Handelspartner steht nun eine vorläufige Einigung - und was macht der andere?


Die USA und Mexiko haben sich auf neue Handelsregeln geeinigt - ohne Kanada, den dritten Partner im bestehenden Nordamerikanischen Freihandelsabkommen (Nafta), zu beteiligen. US-Präsident Donald Trump feierte einen “unglaublicher Deal für beide Parteien”. Er werde Nafta beenden, an dessen Stelle werde ein Pakt zwischen den USA und Mexiko treten. Kanadas Außenministerin Chrystia Freeland will in Washington weiterverhandeln.

Dank des Pakts sollen zum Beispiel wieder mehr Autos in den USA produziert werden. Der Bruch des Dreierbündnisses wirft allerdings rechtliche Fragen auf. Außerdem drohen Störungen für Unternehmen, die über die drei Länder hinweg im Geschäft sind. Ein förmlicher Abschluss des Vertrags dürfte in diesem Jahr nicht mehr möglich sein, denn nach einer Unterzeichnung müssten die Parlamente in beiden Ländern zustimmen - aber im November stehen Zwischenwahlen zum US-Kongress an.

Trump drohte Kanada mit Zöllen

Mit Blick auf Kanada sagte Trump, die Verhandlungen müssten erst beginnen. Der Nachbar im Norden könne in die Vereinbarung einbezogen werden oder separat mit den USA verhandeln. Trump drohte erneut damit, Zölle auf kanadische Fahrzeuge zu erheben, sollte Kanada nicht den Wünschen der US-Regierung entsprechen. Den Handelspakt mit Mexiko wollte er derweil umbenennen: Nafta habe den Ruf, schlecht für amerikanische Arbeiter zu sein.

Ein kanadischer Regierungssprecher kündigte an, dass Außenministerin Chrystia Freeland ihre Europa-Reise verkürzen und sich auf den Weg zu Handelsgesprächen in die USA machen werde. Einen Nafta-Ersatz könne es nur mit Kanadas Zustimmung geben.

Industrie- und Handelskammertag warnt vor Nafta-Bruch

Die deutsche Wirtschaft warnte indessen vor einem Ende der Freihandelszone. Deutsche Unternehmen hätten Milliarden in Nordamerika investiert und Lieferketten aufgebaut, sagte Martin Wansleben vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK). “Die deutsche Wirtschaft ist deshalb auf eine enge wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen den USA, Mexiko und Kanada angewiesen.”

Zufrieden zeigten sich hingegen die Autobauer. “Die Einigung zwischen den USA und Mexiko ist positiv. Barrierefreier Handel im bisherigen Nafta-Raum ist für deutsche Hersteller und Zulieferer entscheidend. Denn die Wertschöpfungsketten in den drei Ländern sind eng verflochten”, sagte der Präsident des Branchenverbandes VDA, Bernhard Mattes.

Er warnte aber auch: “Jede Maßnahme, die den Warenaustausch beschränkt oder erschwert, würde diese Lieferketten für die USA empfindlich treffen.” In Mexiko haben mehrere deutsche Autohersteller sowie Zulieferer Werke errichtet und beliefern von dort aus den wichtigen US-Markt.

Von dpa/RND

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