Online: 13.09.2018

Keynote

Apples neue iPhones: Tabubruch in Sachen Preis

Wie in jedem Jahr versammelte sich die Apple-Gemeinde von Reportern, Technikfreaks und Managern, um der Vorstellung neuer Produkte beizuwohnen. Es gab einiges Neues zu sehen und bestaunen - aber das “one more thing”-Moment fehlte. Dafür dürften viele Nutzer angesichts der Preise kräftig schlucken.

Normalerweise sind Produktvorstellungen von und bei Apple eine Art digitaler Variante des Wagnerschen Weihefestspiels. Ehrfürchtig lassen sich die Zuhörer von den Konzern-Granden die neuen Produkte schmackhaft machen. Dieser Faszination kann man sich nur schwer entziehen, doch sind meist die Erwartungen vorab höher als die Begeisterung über die Produkte. 2017 war das anders, denn das iPhone X war wirklich dieses magische “one more thing” aus Steve Jobs-Zeiten, ein Technik-Tool, das den Markt verändert, wenn nicht gleich die ganze Welt - so die Mindestanforderung der Apple-Afficionados.

Drei neue iPhones vorgestellt

Nach diesem Kracher schienen die Erwartungen diesem “S”-Jahr, dem Überbrückungsjahr zwischen den meist zweijährlichen Modellwechseln beim iPhone, in dem die Modelle häufig nur etwas aufgewertet werden, etwas weniger überhitzt. Die stets gut informierten Branchenschnüffler aus Asien hatten im Vorfeld schon fast alles zur neuen Hardware gesagt. Drei Telefone, eines, das iPhone XR (849 bis 1019 Euro), ein etwas abgespecktes iPhone X mit einigen Verbesserungen und in feschen Farben, das iPhone XS (1149 bis 1549 Euro) und das iPhone XS Max. Die beiden letztgenannten ersetzen das nur ein Jahr alte iPhone X, das hierzulande um die 1300 Euro kostete, als es vor rund einem Jahr auf den Markt kam.

XS und XS Max bestechen natürlich mit ihren fantastischen Bildschirmen, das größere von beiden ist das bisher größte iPhone. In der Maximalausstattung mit 512 GB kostet es in Deutschland sage und schreibe 1649 Euro, ansonsten ist es “ab 1249 Euro” zu haben. Für den Preis gibt's bei Apple auch schon Laptops. Dass die Face-ID-Gesichts-Erkennung verbessert wurde, die Kamera jetzt mehrere HDR-Fotos zu einem Optimalbild kombiniert und das Display wirklich atemberaubend ist - wie auch der A12 Bionic-Chip deutlich mehr Tempo aufnimmt - alles geschenkt.

Neue Maßstäbe auch bei den Preisen

Natürlich setzen Qualität und Funktionalität der neuen iPhones wieder neue Maßstäbe, wie jedes Jahr - in allererster Linie aber den der immer neuen finanziellen Tabubrüche. Ein Smartphone zum Preis eines MacBook, was auch schon ein Edel-Laptop ist, ist in der Breite des Marktes schwer vermittelbar. Vorsichtig formuliert. Ob dann das Samsung S10 noch ein Stück teurer sein wird? Die Preisspirale wird irgendwann aufhören sich zu drehen, wenn die Konsumenten sich überlegen müssen, ob sie lieber einen Rechner oder ein Mobiltelefon erwerben sollen.

So war denn die traditionelle Euphorie diesmal etwas gedämpfter in Cupertino. Ob's nur an den Preisen liegt? Oder eher an der zu erwartenden Enttäuschung, keiner Revolution beiwohnen zu dürfen? Ein “one more thing” gab es immerhin noch in Sachen Software. Die neue Apple Watch hat nicht nur ein größeres Display und einen Keramikrücken, sie kann auch EKGs erstellen und an den Hausarzt senden - derweil nur in den USA. Auch diese Revolution fällt also aus in Deutschland.

Von Daniel Killy/RND

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