Online: 20.03.2015 - ePaper: 21.03.2015

Das Wendland ist ideal für kreative Großfamilien. Das meint zumindest Familie Puhl aus Belitz. In der EJZ-Serie "Na DAN(N)" erzählen sie, warum.

Das Wendland: Ideal für kreative Familienmenschen

ZoomFamilie Puhl im vergangenen Sommer (von links): Lazar, Eskil, Mimi, Polly, Lilli und Simone Puhl. Baby Fidelio ist da noch im Bauch.

Eskil Puhl ist mit seiner Familie von Hamburg nach Lüchow-Dannenberg gezogen

Lüchow-Dannenberg gilt als ausblutende Region. Doch es gibt viele Menschen, die hier leben wollen und nirgendwo sonst. Die EJZ-Serie "Na DAN(N)" stellt Menschen vor, die neu nach Lüchow-Dannenberg oder dorthin zurück gezogen sind. Teil 7: Eskil Puhl aus Belitz.

 

pw Belitz. Der lange Tisch in der großen Wohnküche ist ein erster Hinweis auf das, was bei näherem Hinsehen - Schuhe in verschiedenen Größen, Kinderzeichnungen an den Wänden und Spielzeug - offenkundig wird: In dem alten Bauernhaus in Belitz lebt eine Großfamilie. Als Eskil und Simone Puhl vor zwei Jahren aus Hamburg nach Lüchow-Dannenberg gezogen sind, brachten sie ihre Kinder Lilli (12), Lazar (10), Polli (7) und Mimi (3) mit. Im Dezember ist Fidelio dazugekommen.

Sie waren ein Grund für den Umzug ins Wendland: "Die Familie wurde immer größer, und mit Kindern ist die Lebensqualität in Hamburg gering. Wir wollten gerne mit den Kindern aufs Land, aber das Problem war: Auf dem Land kann ich kein Geld verdienen. Und die Infrastruktur ist auch schwach", erinnert sich Eskil Puhl. So war für den 45-Jährigen, der für Harald Schmidt getextet und dann in der Werbebranche Karriere gemacht hatte, eine grundlegende Bedingung der gerade gewagten Selbstständigkeit die, sich unabhängig vom Ort zu machen.

Neben dem Wunsch, Zeit für seine Kinder zu haben, wollte der junge Vater seine Kompetenzen künftig "nachhaltig und sinnvoll" einsetzen - beides wäre in der Werbung nicht möglich, ist sich Eskil Puhl sicher.

Doch die Kommunikation und der tiefe Einblick in die Mechanismen der Branche reizten ihn nach wie vor. Also machte er sich mit einem Partner und einer Idee selbstständig. Das Konzept: Keine Produkte mehr bewerben, sondern gemeinsam mit Unternehmen ein Produkt oder auch Kommunikationswege entwickeln.

"Das war eine Idee, die es so am Markt noch nicht gab", erzählt Puhl. Doch zunächst einmal passierte nichts, das Unternehmen drohte zu scheitern. Dann hatte er Glück, lernte den Online-Chef eines Versandhandels kennen und entwickelte für diesen eine Mode-Plattform für junge Menschen. Danach lief das Geschäft dank Mund-zu-Mund-Propaganda. Heute ist Eskil Puhl nur noch in die Konzeption neuer Produkte eingebunden, nicht mehr in die Umsetzung. Es gehe ihm darum, "ein Problem auf eine Weise zu lösen, die Spaß macht", sagt er. Als Beispiel nennt er eine App, die Kindern Lust machen soll, ihre Zähne richtig zu putzen, oder ein günstiges Ökostrom-Paket, mit dem zudem Kindergärten unterstützt werden. "Das hat einen totalen Mehrwert und ist sinnvoll", freut sich der 45-Jährige.

Und er konnte mit seiner Familie aufs Land ziehen: "Ich brauche nur meinen Kopf und ein schnelles Netz. Jetzt habe ich viel Familienzeit in einer schönen Umgebung. Ich brauche zum Arbeiten meine Ruhe, und die habe ich hier", berichtet Puhl, der von sich sagt, dass er am besten nachdenken kann, wenn er mit seinen Kindern spielt. "Meine Produktivität und Kreativität sind hier total hochgegangen."

Im Augenblick ist er dabei, mit Coonet.me eine CO2-Fitness-Plattform zu entwickeln, die nachhaltigen Konsum mit einem sozialen Netzwerk verbinden will.

Im Wendland waren die Puhls schon während ihrer Hamburger Zeit oft. Simone Puhl stammt aus Lüchow, und während ihrer Besuche hatten sie festgestellt, dass es "passt". Ein weiterer wichtiger Faktor, der für Lüchow-Dannenberg sprach, war die Freie Schule Hitzacker, "sonst wären wir nicht hierher gekommen", betont Eskil Puhl, für den die Region zudem günstig zwischen Berlin und Hamburg liegt. In die Hansestadt fährt er normalerweise zweimal die Woche, so hält sich der Frust über das Pendeln in Grenze.

Das Wendland "muss so bleiben, wie es ist", findet Puhl, doch man müsse überlegen, wie man über bestimmte Branchen und Firmen mehr Menschen in den Landkreis holen könnte. Denn "für alle Leute, die kreativ arbeiten und Familie und Beruf zusammenbringen wollen, ist das der ideale Ort", ist er sich sicher. Für ihn und seine Familie ist der Plan jedenfalls "voll aufgegangen".

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