Online: 29.05.2015 - ePaper: 30.05.2015

Der Arzt Peter Stahl hat schon viele Orte auf der Welt bereist und unter anderem auf den Seychellen gelebt. Jetzt wohnt er zusammen mit seiner 37 Jahre jüngeren Frau Shirley in Bülitz. Seine Geschichte erzählt er in einem weiteren teil der EJZ-Serie "Na DAN(N)".

Bülitz statt Seychellen: Warum es Peter Stahl mit seiner deutlich jüngeren Frau ins Wendland zog

ZoomPeter Stahl in seinem Wohnzimmer in Bülitz. Im Hintergrund sind seine Frau Shirley und deren Kinder Andre und Dylan.

Peter Stahl lebt nun im Wendland

Lüchow-Dannenberg gilt als aussterbende Region. Doch es gibt Menschen, die hier leben wollen und nirgendwo sonst. Die EJZ-Serie "Na DAN(N)" stellt Menschen vor, die neu nach Lüchow-Dannenberg oder dorthin zurück gezogen sind. Teil 17: Peter Stahl aus Bülitz.

 

fb Bülitz. Der Weg von Peter Stahl nach Bülitz ist ein ungewöhnlicher. Und er begann vor zehn Jahren auf den Seychellen. Dort nämlich wohnte der damals 60-Jährige. Bis er 2005 zu einer Safari nach Kenia aufbrach. Dort lernte er die 23-jährige Kenianerin Shirley kennen, sie verliebten sich und heirateten. Der große Altersunterschied - für die beiden stellte das kein Problem dar, und auch was andere davon halten, ist Peter Stahl noch heute egal: "Es ist nur wichtig, dass es Shirley und mir damit gut geht."

Zusammen mit Shirleys Söhnen Andre und Dylan wollten sie zunächst auf den Seychellen leben, doch es gab Probleme mit Shirleys Aufenthaltsgenehmigung: "Auf den Seychellen sind Einwanderer vom afrikanischen Festland nicht gern gesehen, weil man Sorge hat, dass das dortige Sozialsystem ausgenutzt werden könnte", erklärt Stahl. Es muss also ein anderer Wohnort her.

Peter Stahl kennt viele Regionen, Reisen war seine große Leidenschaft: "In Europa kenne ich bis auf Portugal eigentlich alle Länder." Geboren in Wien, aufgewachsen in Stuttgart, 1965 zum Medizin-Studium nach Berlin. 1980 öffnet er seine eigene Arztpraxis in Berlin, behält sie 25 Jahre lang, ehe er 2005 in den Ruhestand geht. Mit Berlin fühlt er sich verbunden, besitzt immer noch eine kleine Dachgeschosswohnung dort. Eher durch Zufall entstand aber früh schon der Kontakt ins Wendland: "In meiner Arztpraxis hatte ich eine Auszubildende, die in Woltersdorf geboren wurde", erzählt der heute 70-Jährige. Während der rund 20-jährigen Zusammenarbeit habe er durch Erzählungen viel von der Region und den Menschen erfahren. Im Alter von 60 Jahren machte der Allgemeinmediziner seine Praxis zu, wohnte zunächst für vier Jahre in seinem Haus auf den Seychellen. In dieser Zeit lernte er Shirley kennen, die gemeinsamen Pläne reiften. Den Kontakt zu seiner früheren Auszubildenden ließ er aber nicht abreißen. Als er einen neuen Wohnort suchte, kam deshalb schnell das Wendland ins Gespräch: "Wir wollten uns zusammentun und ein Multikulti-Mehrgenerationenhaus in Dickfeitzen machen", erläutert Stahl.

Die Familie kauft einen Resthof, um das Projekt zu realisieren. Der Plan scheitert, aber nicht am Kaufpreis, sondern an den Folgekosten - defekte Heizung und marode Elektronik machen dem Traum ein Ende.

Peter und Shirley Stahl ziehen in eine Wohnung in Bülitz. Zwei Jahre leben sie nun schon dort. Die beiden Söhne, der zehnjährige Andre und sein zwei Jahre jüngerer Bruder Dylan, besuchen die Astrid-Lindgren-Grundschule in Clenze. "Die Direktorin war begeistert, dass jetzt afrikanische Kinder auf die Schule gehen", berichtet Peter Stahl glücklich. Schon bevor die beiden Jungs nach Deutschland kamen, lernten sie Deutsch. So fiel die Eingewöhnung nicht schwer. Und auch seine Frau ist in der Schule gern gesehen: "Shirley gibt einmal wöchentlich Englischnachhilfe für die erste bis dritte Klasse", berichtet der 70-Jährige stolz. Beim Erling Verlag in Klein Sachau arbeite die 33-Jährige zudem an einer englischsprachigen Fachzeitschrift zum Thema Kühllogistik mit. Peter Stahl arbeitet gelegentlich als Honorararzt in einer Praxis, um seine Rente aufzubessern.

Viel Kontakt zu anderen Menschen in Lüchow-Dannenberg haben er und seine Frau aktuell nicht. Dennoch war die Weltoffenheit der meisten Lüchow-Dannenberger ein ausschlaggebender Grund für den Umzug: "Wir passen nicht ins typische Schema einer Familie, aber bislang hat hier keiner was gegen uns gesagt", erzählt Peter Stahl zufrieden. Über die Schule und bei der Kulturellen Landpartie entstanden einige wenige, aber "sehr nette Kontakte". Das reicht Shirley und Peter Stahl vollkommen. Die Familie fühlt sich wohl.

Für die Kinder sei das Aufwachsen auf dem Land viel besser als in Berlin: "Da leben die Kinder gefährlich, es gibt zu viele Probleme mit Drogen und Gewalt." Peter und Shirley Stahl sowie Andre und Dylan vermissen die Großstadt nicht wirklich. Und falls sie das doch mal tun, besitzt Stahl ja immer noch die kleine Dachgeschosswohnung in Berlin. Die eignet sich hervorragend für Wochenendausflüge.

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