Online: 05.06.2015 - ePaper: 06.06.2015

Seit drei Jahren lebt das Ehepaar Schulze im Wohnprojekt Buchhorst-Garten in Gartow. Was die beiden an Lüchow-Dannenberg fasziniert, erzählen sie in einem weiteren Teil der EJZ-Serie "Na DAN(N)".

Gemeinsam wohnen in der Natur - Erdmuthe und Fokko Schulze erfüllen sich in Gartow einen Traum

Lüchow-Dannenberg gilt als ausblutende Region. Doch es gibt Menschen, die hier leben wollen und nirgendwo sonst. Die EJZ-Serie "Na DAN(N)" stellt Menschen vor, die neu nach Lüchow-Dannenberg oder dorthin zurück gezogen sind. Teil 18: Ehepaar Schulze aus Gartow.

 

fb Gartow. Eines ihrer fünf Enkelkinder kommt 2010 auf ihrem Grundstück in Lippoldsberg an der Weser tragisch ums Leben. Ein Schicksalsschlag für Erdmuthe und Fokko Schulze: "Wir konnten dort nicht mehr leben", erzählen sie sichtlich ergriffen. Sie verkaufen Haus und Grundstück, suchen einen neuen Wohnort. Vor drei Jahren ziehen die beiden nach Gartow. Dort fühlen sie sich wohl.

Ihr bisheriges Leben sei die Geschichte eines glücklichen "Langzeit-Ehepaares", sagt die 63-jährige Erdmuthe Schulze. Sie lernen sich 1970 in Bonn kennen, leben dort zunächst acht Jahre gemeinsam und heiraten in dieser Zeit. Gemeinsam geht’s 1978 nach Rodenbach bei Hanau und neun Jahre später ins nordhessische Lippoldsberg. Vier gemeinsame Kinder haben die beiden. Die klassische Mutter- und Hausfrauenrolle hat es bei ihnen nie gegeben, erzählt der 65-jährige Fokko Schulze. Der studierte Theologe arbeitete nur zehn Jahre als Pastor, übernahm danach den Haushalt, während seine Frau als Grund- und Hauptschullehrerin aktiv war. Mittlerweile sind die zwei seit mehr als vierzig Jahren glücklich verheiratet. Beide sind pensioniert.

In Gartow erfüllt sich das Ehepaar nun einen Traum: "Das Leben in der Natur, im Lauf der Jahreszeiten, gehört zum Lebenstraum schon mit dazu", schwärmt die ehemalige Lehrerin. Buchhorst-Garten sei ein "an vielen Ecken magischer Ort". Die Landschaft in Lüchow-Dannenberg ist für die Pensionäre neu: "Bislang haben wir immer in Mittelgebirgen gewohnt, hier ist alles flach, das ist für uns sehr faszinierend", sagt Fokko Schulze.

Auch menschlich ist das Ehepaar Schulze schnell in Gartow angekommen. Wegen ihrer Berufe sei es früher schwierig gewesen, freundschaftliche Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen: "Klar hatten wir als Lehrerin und Pastor viel Kontakt zu Menschen, aber richtig enger Kontakt entsteht dabei nicht", erklärt der ehemalige Pastor. Als Pensionäre haben sie es jetzt leichter. Und vor allem in Gartow seien die Leute sehr offen und herzlich: "Es ist spektakulär, wenn man hier ein halbes Jahr lang wohnt, über die Straße geht und an jeder Ecke von einem bekannten Gesicht angesprochen wird", schwärmt Erdmuthe Schulze, die in der Kleinen Kantorei in Gartow singt und im Sinfonieorchester Kontrabass spielt.

Im Wohnprojekt Buchhorst-Garten hat das Ehepaar Schulze ständig engen Kontakt mit Menschen, schließlich ist das Wohngebiet als gemeinschaftliche Anlage angelegt. "Für uns war es wichtig, im Alter nicht in einer isolierten Nachbarschaft zu leben, sondern in einer Gemeinschaft", sagt die 63-Jährige. Das sei ein Grund für die Entscheidung gewesen. Ihr Haus haben sie nach ihren Vorstellungen altersgerecht bauen lassen. Fokko Schulze kümmert sich zusammen mit einem Nachbarn um die Verwaltung und Pflege des großen Grundstückes Buchhorst-Garten.

An das Leben in einer Gemeinschaft hat sich das Ehepaar zunächst gewöhnen müssen: "Wenn man sein Leben lang separat als Ehepaar entschieden hat, ist das schon eine große Umstellung", erklärt Erdmuthe Schulze. Das sei manchmal anstrengend, weil man lernen muss, Dinge in der Gemeinschaft abzustimmen und Probleme offen anzusprechen. Aber: "Für uns ist das ein Traum, eine solche Herausforderung noch einmal anzunehmen. Sich in einer Gemeinschaft zurecht zu finden und sich wohl zu fühlen, das macht uns zufrieden."

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