Online: 18.09.2015 - ePaper: 19.09.2015

Heide Jürgens lebt seit drei Jahren in Damnatz. Warum sie nie wieder dort wegziehen will, erzählt sie in einem weiteren Teil der EJZ-Serie "Na DAN(N)".

Heide Jürgens liebt an Lüchow-Dannenberg die Weite, Luft und Freiheit

ZoomDer Elbe wegen kam Heide Jürgens nach Damnatz – geblieben ist sie aber wegen der netten Menschen dort, weil sie Freunschaften schloss und sich einfach gut aufgenommen fühlt.

Lüchow-Dannenberg gilt als ausblutende Region. Doch es gibt viele Menschen, die hier leben wollen und nirgendwo sonst. Die EJZ-Serie "Na DAN(N)" stellt Menschen vor, die neu nach Lüchow-Dannenberg oder dorthin zurückgezogen sind. Teil 31: Heide Jürgens aus Damnatz.

 

rg Damnatz. Heide Jürgens sitzt in ihrem Garten in einem Sessel an einem kleinen Tisch und strahlt. Aus dem Haus ist klassische Musik zu hören, Vögel zwitschern, die Sonne lacht. "Ganz im Ernst: Das ist doch wundervoll, oder?", fragt sie lächelnd und lauscht. So hatte sie sich, wie sie sagt, ihren Lebensabend, ihren Ruhestand vorgestellt. So, oder zumindest so ähnlich. Dafür war sie vor drei Jahren nach Lüchow-Dannenberg gezogen. Nach Damnatz, an die Elbe. An ihre Elbe. Ihren Sehnsuchtsfluss, der sich wie ein Roter Faden durch ihr Leben schlängelt. In ein kleines, frisch saniertes und von ihr selbst dann zauberhaft eingerichtetes Fachwerkhaus direkt hinterm Deich. "Es ist so schön", sagt sie und strahlt wieder. Und daran, weiß sie, haben auch und nicht zuletzt die Menschen in Damnatz ihren Anteil. Denn noch nirgendwo sei sie so schnell so gut aufgenommen worden. "Und das", lächelt sie, "erfüllt mich mit großer Dankbarkeit."

Bis zu ihrer Pensionierung war Heide Jürgens Sonderschullehrerin. Gebürtig aus dem Harz, studierte sie in Lüneburg, lebte in Winsen, Geesthacht und Stove, dann in Toppenstedt. Ihr Haus dort verkaufte sie nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes "für gutes Geld", erzählt sie. Dieses gute Geld wollte sie jedoch nicht anlegen - weil man ja derzeit kaum Zinsen bekommt und sie auch ihren Kindern kein Geld vermachen wolle. "Die beiden stehen finanziell auf eigenen Beinen, da muss ich mir keine Sorgen machen", lacht sie wieder. Und so entschloss sie sich, sich noch einmal ein Haus zu kaufen - an der Elbe. "Dieses Haus habe ich dann im Internet gefunden und mich sofort verliebt", erinnert sie sich. Als dann auch noch der Verkäufer einen so sympathischen Eindruck machte und von Damnatz in höchsten Tönen schwärmte, war für sie klar: "Hier will ich meinen Lebensabend verbringen."

Eine Entscheidung, die sie seither keine einzige Sekunde bereut hat, erzählt Heide Jürgens. "Ich bin in Damnatz sehr nett aufgenommen worden, habe Freundschaften geschlossen, viele Menschen kennengelernt, weiß mich zu beschäftigen", sagt sie. Sie arbeitet ehrenamtlich für einen Besuchsdienst für Senioren, kümmert sich um eine alte Dame in Langendorf, geht fast jeden Tag in Dannenberg schwimmen, besucht kulturelle Veranstaltungen in der Damnatzer Kulturtenne ebenso wie im Rest des Landkreises, fährt mit der Bahn nach Lüneburg und Hamburg. "Wenn man sich vernünftig organisiert, ist das alles kein Problem, auch wenn hier nicht so oft Busse oder Bahnen fahren." Und so vermisst sie eigentlich nichts. "Das Angebot hier ist dosiert, aber kann sich absolut sehen lassen. Man wird seiner nicht über, sondern genießt es", erklärt Heide Jürgens. "Neulich war ich auf einem Harfenkonzert in Zeetze. Ich saß dort, ein Glas Wein in der Hand - es war eine ganz andere, eigene Welt."

In eine solche andere Welt taucht sie auch ein, wenn sie sich an schönen Abenden auf die Bank direkt auf dem Deich an ihrem Haus setzt. "Ich nehme mir ein Glas Rotwein mit, setze mich hin und lasse die Schönheit der Gegend, der Natur auf mich wirken. Das ist unheimlich schön, fast zu schön, um es zu beschreiben", lächelt die Neu-Damnatzerin. Auch ihr Garten, den sie selbst angelegt hat und jetzt zeitaufwändig pflegt und hegt, bereite ihr "immer wieder große Freude". Die Gartenarbeit mache ihr Spaß, und das, was sie "aus dem Wildwuchs, der hier herrschte, gemacht" habe, erfülle sie sogar mit etwas Stolz.

Hin und wieder kommen ihre Kinder sie in Damnatz besuchen. Und sie hofft, dass die beiden vielleicht, wenn sie einmal nicht mehr ist, ihr kleines gemütliches Fachwerkhaus als zentralen Treffpunkt für sich entdecken. "Das wäre mir die größte Freude. Damnatz liegt, wenn man so will, mittig zwischen den Wohnorten meiner Kinder und ihrer Familien", sagt Heide Jürgens. Vielleicht, hofft sie, geschieht das ja auch noch zu ihren Lebzeiten, das "würde mir die Welt bedeuten". An Lüchow-Dannenberg jedoch vermisst sie außer der Nähe zu ihren Kindern nichts. "Das, was es hier nicht gibt, fällt für mich nicht ins Gewicht, weil es so vieles gibt, dass das nicht vorhandene Aufwiegt", strahlt sie wieder. "Die Abendsonne über der Elbe, hier bekommt man Luft, hat die Weite, hier ist man frei. Hier genieße ich die Zeit und denke nicht an Morgen. Einfach wunderschön."

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