Online: 10.11.2016 - ePaper: 11.11.2016

Der Schlachthof Vogler in Steine sucht nach Investoren und denkt über Fusion von Vogler Fleisch und MV Fleisch nach

ZoomStellten sich gestern den Fragen von Pressevertretern im Schlachthof in Steine (von links): Generalbevollmächtigter Christof Morgen, Insolvenzverwalter Hassan Ben Djemia, Burhard Holz (Geschäftsführer MV-Fleisch), Kevin Ullrich (Geschäftsführer Vogler Fleisch) und die Betriebsratsvorsitzende Kerstin Maschinsky.

Von Karl-Friedrich Kassel

Steine. Für das in finanzielle Schwierigkeiten geratene Unternehmen Vogler Fleisch in Steine wird im Rahmen eines "Schutzschirmverfahrens" nach Investoren gesucht. Es gebe verschiedene Interessenten, erklärte der Generalbevollmächtigte für dieses Verfahren, Christoph Morgen von der Hamburger Kanzlei Brinkmann und Partner, bei einer Pressekonferenz in Steine gestern Mittag. Eher unwahrscheinlich ist es nach seinen Angaben, dass dabei größere Unternehmen mit dem gleichen Geschäftsmodell wie Vogler zum Zuge kommen. Bis zum Jahresende hoffen Morgen und der Insolvenzverwalter Hassan Ben Djemia auf Klärung.

Bis zu diesem Zeitpunkt läuft das so genannte Schutzschirmverfahren. Dabei handelt es sich um eine Neuerung im deutschen Insolvenzrecht. Unternehmen in Schwierigkeiten sollen die Chance für einen Neuanfang bekommen, geschützt vor Klagen von Gläubigern. Dem Verfahren schließt sich nach drei Monaten das normale Insolvenzverfahren an. Bei Vogler-Fleisch wird der Stichtag dafür der 1. Januar sein. Das alles sei normal, erklärten die Anwälte. Dass ein solches Insolvenzverfahren beginnt, sei mithin nichts Schlechtes. Das sei immer so, meinte Rechtsanwalt Morgen.

Tönnies keine Option

Bei den Investoren handele es sich nicht um "Heuschrecken", wie Burkhard Holz, Geschäftsführer der MV Fleisch, erklärte. MV Fleisch ist ein Unternehmen von Michael Vogler in Bremen und Laatzen, das sich in der gleichen wirtschaftlichen Lage wie Vogler Fleisch befindet. Der Branchengrößte Tönnies komme, anders, als es Gerüchte um den Steiner Schlachthof besagen, eher nicht in Frage. Der sei aus kartellrechtlichen Gründen schon einmal mit einer Übernahme gescheitert, meinte Insol-venzverwalter Ben Djemia. Ein Modell für die künftige Firmenstruktur könnte die Zusammenlegung von Vogler Fleisch und MV Fleisch sein, hieß es in der Pressekonferenz.

Derzeit laufe der Betrieb in Steine "stabil", wenn auch geringer als gewünscht. Man laste die Kapazität höchstens zu 80 Prozent aus, meinte Vogler-Geschäftsführer Kevin Ullrich. Es werde versucht, das Vertrauen der Lieferanten wieder zu gewinnen. Das Geschäft läuft auf der Basis von Tag zu Tag. Es sei sichergestellt, dass alle Lieferungen auch bezahlt werden, erläuterte der Generalbevollmächtigte. Seiner Ansicht nach waren auch in der Vergangenheit, als Vogler die Lieferungen nicht mehr bezahlen konnte, die Landwirte nicht unbedingt geschädigt. Das hänge vielmehr von den Regelungen zwischen Landwirt und Viehvermarkter ab. Außerdem gebe es Ausfallversicherungen. Bei den Lieferanten bestehe ein Interesse, Unternehmen wie Vogler aus Wettbewerbsgründen zu erhalten.

Die sicheren Zahlungen gelten auch für die Beschäftigten bei der Personalfirma. Die erhalte ebenfalls regelmäßige Überweisungen. Der Name der Personal-firma ist inzwischen Vektor. Es sollte zunächst Certus sein, nachdem Akribie Insolvenz angemeldet hatte, weil die Vogler-Zahlungen ausgeblieben waren. Akribie-Vorgänger war Casus. Wie die Verhältnisse zwischen Personalfirma und ihren Beschäftigten aussehen, konnten die Teilnehmer der Pressekonferenz nicht angeben. Es gebe keinen Hinweis darauf, dass dort Geld nicht ausgezahlt würde, hieß es. Bei Vogler direkt sind zurzeit 97 Mitarbeiter beschäftigt. In der Schlachtung und Zerlegung sind weitere rund 180 Mitarbeiter bei der Personalfirma tätig. In beiden Fällen, bei den Mitarbeitern von Vogler wie den Ehemaligen von Akribie, übernehme die Arbeitsagentur die Zahlungen des Insolvenzgeldes ab einem Zeitpunkt von drei Monaten vor Insolvenzantrag, erklärten die Rechtsanwälte.

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