Online: 06.04.2018 - ePaper: 07.04.2018

"Schockverliebt" in ihr neues Lebensprojekt

Die ehemalige TV-Wohnexpertin Tine Wittler und ihre Dorfkneipe in Jabel

ZoomEnde April ist Eröffnung: Tine Wittler will in Jabel eine Dorfkneipe mit Kultur-Bar eröffnen.

Jabel. Tine Wittler strahlt, als sie aus ihrem Büro in die große Diele des ehemaligen Cafés in Jabel tritt. "Moin", schallt es fröhlich aus ihr heraus. Sie ist ein echtes Land-Ei, daraus macht sie keinen Hehl. Und in Jabel: "Da bin ich angekommen, da bin ich zu Hause", sagt die 45-Jährige, die schon immer grobe Pläne hatte, von Hamburg aufs Land zu ziehen. Dass das Ganze fünf Jahre früher als geplant passierte, hat auch etwas mit dem G20-Krawallen in Hamburg zu tun. "Ich habe meine Stadt nicht wiedererkannt. Ich musste da raus, dann ging alles sehr schnell", erzählt die fröhliche, selbstbewusste Frau, die spätestens viele seit dem TV-Format "Einsatz in 4 Wänden" kennen. Dass es ausgerechnet das Wendland wurde, war kein Zufall - auch wenn sie etwas Zeit brauchte, um bei der Häusersuche auf ihre alte Liebe zu stoßen. "In meiner Studienzeit in Lüneburg war das Wendland mit seinen Protesten ein Muss - auch für mich."

Das Fernsehformat hat Tine Wittler längst hinter sich gelassen. Sie ist Wirtin mit Leib und Seele. Schauspielerin. Sängerin. Schriftstellerin. Vor allem: Künstlerin. "Wittlerins Wohnzimmer" heißt ihr neues Projekt in Jabel - "ein Lebensprojekt" nennt sie es. Seit einigen Wochen werkelt sie mit ihrem Team fleißig daran. Ende April soll die "Deelenkneipe & Kulturbar" dann endlich offiziell öffnen. Eigentlich würde Tine Wittler gern sofort loslegen, "aber die To-Do-Liste ist einfach unendlich lang. Zur Eröffnung wird deshalb beileibe noch nicht alles perfekt sein. Aber lieber ein bisschen improvisieren als noch länger zu warten." In Tine Wittler bekommt Jabel eine Frau mit Promi-Faktor. Den will sie selbst aber nicht in den Vordergrund rücken. Tine Wittler versteht sich als Botschafterin. "Wir müssen Werbung für das Wendland machen, hier gibt so viele tolle Orte", findet sie. In das alte Café in Jabel hat sie sich "schockverliebt". Alle anderen Häuser auf der Besichtigungsliste konnten da nicht mithalten. "Das Haus hier ist windschief, hat Fachwerk, es hat einfach Charme. Da konnte ich nicht anders", sagt Wittler, die in Hamburg bereits seit einigen Jahren das städtische Pendant zu Jabel führt und reichlich Erfahrung mit ins Wendland bringt. Und Kontakte. "Über die Jahre ist ein Netzwerk zu anderen Künstlern gewachsen. Der eine oder andere wird sicherlich hier auftreten", gibt die Künstlerin einen noch geheimnisvollen Ausblick auf das, was kommt. Dazu soll es Kulinarisches aus ihrer Heimat geben: den Pickert, ein ostwestfälisch-lippisches Kartoffelgericht zum Beispiel.

Wittler wünscht sich, dass "Wittlerins Wohnzimmer" ein Raum für Genießer und gute Gespräche wird - "irgendetwas zwischen guter Stube, Salon und Dorfkneipe". Mit ihrem Lebensprojekt will die ehemalige TV-Wohnexpertin auch beweisen, "dass man etwas gegen das Kneipensterben tun kann". Wann die Kneipe öffnet und welches Programm gespielt wird, das verrät künftig das Öffnungszeitentelefon, das einen Anrufbeantworter mit Programmansage hat. "Wir müssen da auch ein bisschen spontan bleiben, denn ich bin auch noch viel mit meinem Chanson-Programm und mit einem Theaterprojekt auf Tournee", erzählt die Wittlerin, die schon mehrere Bücher und einen Dokumentarfilm produziert hat, der es auf Anhieb in etliche deutsche Kinos schaffte. Auch in jenes in Lüchow. "Das Kino ist mit daran Schuld, dass ich heute hier gelandet bin." Auch der Dorfserienteil über Jabel soll dazu beigetragen haben, sagt sie und holt eine alte EJZ heraus. In Jabel fühlt sie sich wohl. "Wenn ich in Hamburg unterwegs bin, habe ich Heimweh", erzählt Wittler. Und dann freut sie sich wieder auf ihre Deelenkneipe, die ihre Feuertaufe mit einer Dorfversammlung hinter sich hat. Aber: Wer in Wittlerins Wohnzimmer akzeptiert werden möchte, muss an Smøre vorbei - Tine Wittlers Findelkatze, die sie aus Dänemark mitgebracht hat.

Ein gutes Stichwort. Denn Jabel, sagt Tine Wittler, sei ihr neues Dänemark. "In Dänemark habe ich alle meine Bücher geschrieben, da ist so viel Ruhe." Klar: In Jabel hat sie bereits ihr nächstes Buch begonnen. Ob ihr neues Lebensprojekt auch ein Kapitel darin bekommt? tl

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