Online: 03.05.2018 - ePaper: 04.05.2018

Stars helfen Helfern

Indie-Band Kettcar spielt in Klein Witzeetze ein Soli-Konzert für Seawatch

ZoomDie Band Kettcar tritt am 19. Mai live in Klein Witzeetze auf.

tl Klein Witzeetze. Tillmann Teltemann spricht von der "tödlichsten Grenze der Welt". Das ist es, was der Gledeberger bei seinem Einsatz für die Hilfsorganisation Seawatch, die Flüchtlingen im Mittelmeer hilft, mit dem offenen Gewässer verbindet. Jenes, das schon mehrere Male sein Arbeitsort war. Freiwillig.

Zusammen mit anderen Leuten aus dem Wendland begibt er sich mitunter selbst in Lebensgefahr, um zahlreichen Menschen zu helfen, die das wichtigste bereits verloren haben: ihre Heimat. Damit diese Arbeit weitergehen kann, kommt am Sonnabend, dem 19. Mai, die Band Kettcar nach Klein Witzeetze, um ein Soli-Konzert für Seawatch zu spielen. Los geht es um 19 Uhr. Die Hamburger Indierock-Band spielt normalerweise vor mehreren Zehntausend Fans, ist bekannt für Songs wie "Balu" oder "Sommer 89".

Am 19. Mai spielen sie in Klein Witzeetze auf dem Hof Nummer 6, verzichten an diesem Abend auf ihre Gage, um die Arbeit von Seawatch zu unterstützen. An diesem Abend gibt es keinen klassischen Eintritt, sondern ein "analoges Crowdfunding" am Eingang, wie es Organisator Jan Becker von der Hofgemeinschaft nennt. Man wolle möglichst viele Spenden zusammenbekommen.

Spenden, die Seawatch gut gebrauchen kann, weiß Tillmann Teltemann. Der Job auf dem Gewässer werde den NGOs, den Nicht-Regierungsorganisationen, immer schwerer gemacht, sagt er. Teilweise würde die italienische Regierung NGO-Schiffe "ohne haltbaren Grund" festsetzen. Und die libysche Küstenwache bedrohe die Besatzungen sogar auf offenem Meer, erzählt Teltemann. Für ihn ist das aber kein Grund, nicht mehr loszufahren. Zuletzt war er über Silvester an Bord, im August und September sind wieder jeweils dreiwöchige Einsätze geplant.

Es sind Einsätze, bei denen Teltemann und dessen Mitstreiter viel Elend sehen, tote Menschen, und von den schlimmsten Geschichten erfahren: "Von Vergewaltigung, Folter und Tod", weiß Teltemann. So war es am 1. Januar, als die Seawatch-Besatzung zwei Boote auf offenem Meer antraf. "Die Menschen in dem Boot waren überglücklich, dass wir sie gefunden haben", erinnert sich der junge Mann aus Gledeberg.

Einen Tag später "kamen wir leider zu spät". Da habe die libysche Küstenwache bereits Menschen auf einem Boot ausfindig gemacht. "Wir wissen, wie die Küstenwache rettet. Danach werden viele Menschen vermisst", erklärt Teltemann. Außerdem würden die Menschen wieder zurückgeschickt in das Land, aus dem sie fliehen. "Es ist für uns das Schlimmste zu wissen, dass sie wieder zurück in das Elend müssen." Teltemann lässt sich weiter von der Motivation antreiben, den Menschen zu helfen und ihnen eine Flucht zu ermöglichen, die so sicher wie möglich sein soll. "Die Menschen sollen nicht vergessen, wie viele Menschen bereits an dieser tödlichsten Grenze der Welt" gestorben sind.

Deshalb kämpfen er und seine Mitstreiter dafür, dass möglichst vielen Menschen geholfen werde. Das Soli-Konzert soll diese Arbeit erleichtern und finanzielle Spielräume bieten.

An diesem Abend tritt auch die Band Virker Ikke mit Coversongs auf. Danach unterhält DJ Spoonman die Partygäste bis Mitternacht.

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