Online: 19.05.2018

60 Personen vorläufig festgenommen

Großeinsatz nach Angriff auf Polizisten in Hitzacker

ZoomDie Polizei setzte an einem Bahnübergang rund 60 Personen fest, die im Verdacht stehen, an dem Angriff auf den Polizeibeamten beteiligt gewesen zu sein. Aufn.: R. Groß

von Rouven Groß

 

Hitzacker. Ein Angriff von rund 60 Vermummten auf das Haus eines Polizisten in Hitzacker hat am Freitagabend einen Großeinsatz der Polizei ausgelöst. Nach Angaben eines Polizeisprechers hatten die zum überwiegenden Teil maskierten Angreifer das Grundstück des Beamten gestürmt, den Mann und seine Familie beleidigt, bedroht und eingeschüchtert sowie Transparente entrollt. Dabei soll es auch zu Sachbeschädigungen gekommen sein. Anschließend flüchteten die Vermummten Richtung Innenstadt, wo sie an einem Bahnübergang von einer alarmierten Polizeieinheit gestellt und festgesetzt wurden. Alle angetroffenen Personen seien zur Identitätsfeststellung vorläufig festgenommen worden, so Polizeisprecher Kai Richter. Außerdem sei allen ein Platzverweis für die Stadt Hitzacker erteilt worden.

Der Einsatz dauerte bis in die frühen Morgenstunden, die letzten Festgenommenen wurden erst gegen halb drei Uhr am Sonnabendmorgen erkennungsdienstlich behandelt und ein Großteil anschließend wieder auf freien Fuß gesetzt. Einige Personen seien jedoch in Polizeigewahrsam geblieben und am Sonnabend am Amtsgericht Dannenberg einer Richterin vorgeführt worden, um über einen Verbleib in Haft beziehungsweise in Gewahrsam zu entscheiden.

Die Angreifer seien dem linken Spektrum zuzuordnen, hieß es am Einsatzort. Mehrere von ihnen gehörten zum Umfeld eines autonomen Tagungshauses und Gasthofes in Meuchefitz. Dort hatte Mitte Februar eine 80-köpfige Spezialeinheit der Polizei ein am Gasthof angebrachtes Transparent beschlagnahmt, weil darauf die Flagge der YPG, einer kurdischen Miliz, sowie der Schriftzug „YPG“ abgebildet war. Die nicht unumstrittene Polizeiaktion hatte zu einer Protestkundgebung in Lüchow geführt (EJZ berichtete). Der Polizeibeamte, gegen den sich der Angriff am Freitag richtete, war im Rahmen seiner Tätigkeit in der Abteilung Staatsschutz an dem Einsatz in Meuchefitz beteiligt. Auf einer linksautonomen Internetseite, auf der sich auch Slogans wie „Hasst die Polizei“ finden, waren der Name des Polizeibeamten und seine Wohnanschrift veröffentlicht worden.

Gegen die 60 in Hitzacker vorläufig Festgenommenen würden Ermittlungsverfahren unter anderem wegen Land- und Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung, Beleidigung, Bedrohung und Verstößen gegen das Versammlungsgesetz eingeleitet, hieß es von der Polizei. Auch gehe man davon aus, dass der Zeitpunkt der Aktion ganz gezielt gewählt worden war, weil die Täter offenbar davon ausgegangen seien, dass die Polizeikräfte beim Gorleben-Tag der Kulturellen Landpartie am derzeit ruhenden Erkundungsbergwerk gebunden sein würden.

Mit der Tat sei eine "neue Qualität der Gewalt gegen Polizeibeamte" erreicht worden, betonte Polizeisprecher Kai Richter: "Die Polizei in der Region verurteilt die Aggressionen und Einschüchterungsversuche zum Nachteil unserer Polizeibeamten und ihrer Familien auf das Schärfste. Mit dem gezielten Angriff auf personifizierte Polizeibeamte als Privatpersonen und ihrer Familien wurde in der Region eine neue Dimension der Gewalt gegen Polizeibeamte erreicht. Dieser gilt es gesamtgesellschaftlich entgegenzutreten und mit allen rechtsstaatlichen Mitteln zu verfolgen."

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