Online: 07.09.2018 - ePaper: 08.09.2018

Klick vom Sofa, Kauf im Laden

Heimatshoppen: Warum der Onlinehandel auch für Geschäfte in Lüchow-Dannenberg immer attraktiver wird

ZoomAuch in Lüchow können Bücher rund um die Uhr bestellt werden. Meistens kommen die Kunden aber zum Abholen in die Buchhandlung.

Von Daniela Muchow

Lüchow-Dannenberg. Sich dem Onlinehandel zu versperren, das sei lange vorbei, sagt Doris Haase-Mohrmann, die in Hitzacker und Dannenberg "Buch und Musik" betreibt. "Der Onlineeinkauf wird mehr", ist sie überzeugt. Die Frage sei daher eher, wie man damit umgeht - Händler wie Kunden. Dabei hat die Buchhändlerin in jüngster Zeit spannende Beobachtungen gemacht: Der Buy-local-Gedanke vom Einkaufen vor Ort werde mehr. "Auch Junge kommen gezielt ins Geschäft. Sie berichten, dass sie sich Gedanken um die Zukunft der Läden machen und weniger im Netz bestellen wollen. Ein ganz tolles Zeichen", findet die Buchhändlerin.

Das würde wohl auch Anke Conrad, Inhaberin der "Shabbythek" in Lüchow, unterschreiben. Und dies, obwohl sie mit einem Onlinehandel gestartet war und seit vier Jahren zweigleisig fährt. Beispiel: Eine Kundin kam zu ihr ins Geschäft mit den Worten "Die Laterne im Fenster bitte, egal, was sie kostet". Was war passiert? Die Frau hatte im Internet eine Laterne bestellt, die zwar per Post nach Hause kam, aber beschädigt war. Die Folge: viel Rennerei, viel Ärger mit dem Händler, kein Geschenk. Conrad freut es natürlich, dass die Kundin wusste, wo sie auf die Schnelle Ersatz bekommen würde. Aber warum war sie nicht zuallererst ins Geschäft gekommen? Die Ladeninhaberin ist überzeugt, "dass jede Kaufentscheidung den Unterschied ausmachen kann". Bei Anke Conrad hat sich das Verhältnis des Umsatzes zwischen online und stationär von 60 zu 40 Prozent hin zu 20 zu 80 Prozent zugunsten des Ladengeschäfts verschoben. Eine Entwicklung, mit der sie selbst nicht gerechnet hat, die sie aber motiviert. Kundenfeedback wie "Wir sehen uns künftig öfter" sind Balsam für die Kaufmannsseele. Wie man Leute weg vom Computer kriegt, das weiß sie allerdings auch nicht.

Indem man sie jederzeit Bücher bestellen lässt? Klingt paradox, bringt den Buchhändlern aber Kunden in die Läden. Diese Erfahrung haben neben Doris Haase-Mohrmann auch Inken Wernecke vom Buchladen Hielscher in Dannenberg und Stefanie Thörmer von der Alten-Jeetzel-Buchhandlung in Lüchow gemacht. Alle drei berichten, dass die Bestellungen zum überwiegenden Teil im Laden abgeholt werden - und dies, obwohl auch eine kostenlose Lieferung nach Hause möglich ist. Interessant auch: Viele Bestellungen erfolgen abends, nachts und morgens. Für Stefanie Thörmer ist das ein deutliches Zeichen, wie "zeitgemäß die 24-Stunden-Erreichbarkeit ist", um gegen die großen Internethändler zu bestehen. Zurückdrehen lasse sich die Entwicklung nicht. Stationärer Handel und Kunden müssten sich nur einig sein, sagt Thörmer. Als Ladeninhaber auch auf online zu setzen, das sei schon ein Prozess mit Für und Wider gewesen, gibt sie zu.

Ähnlich erging es auch Inken Wernecke. Erst vor gut zwei Jahren stieg sie online zu. Sie habe nicht gedacht, dass das so effektiv sei. Nun kann sie von täglichen Bestellungen berichten, dass sie neue Kunden gewinnen konnte, und dass Kunden, die online gucken und Bücher bestellen, dies ausschließlich bei ihr tun. Das greift in die Aussage der Lüchower Buchhändlerin: "Online kann man auch lokal kaufen." Das geht auch bei den Mischungen der Masala-Gewürzmanufaktur aus Harlingen. In Hitzacker, Dannenberg, Clenze und Lüchow sind die Produkte erhältlich, können aber auch online bestellt werden. Was zunächst nebenbei lief, ist mittlerweile Hauptgeschäft von Irma Schröder und Gerhard Tobaben, die bis 2014 das Eigen-Art in Hitzacker führten. Zum einen wuchs der Absatz der Gewürze, zum anderen benötigen sie für ihre mittlerweile über 200 Mischungen einen größeren Markt. Tobaben ist aber überzeugt, dass online für viele Läden interessant sein kann: "Man hat mehr Möglichkeiten."

Das loten auch Alexandra Sprockhoff und Claas Spitz, die vier Modegeschäfte in Lüchow betreiben, aus. Der erste Versuch eines eigenen Onlineshops war nicht befriedigend gewesen: kaum Bestellungen. Beim zweiten Anlauf über eine Marktplatzlösung, um größere Kundengruppen anzusprechen: viele Retouren, viel Arbeit. Deshalb setzen die Lüchower nun auf die "verlängerte Ladentheke". Das digitale Schaufenster soll innerhalb der kommenden zwölf Monate entstehen. Das Prinzip: Die Kunden können sich die Ware von zu Hause ansehen und eine Reservierung vornehmen. Anprobe, Beratung und Kauf erfolgen weiterhin im Laden. Wie die Inhaberin der "Shabbythek" haben die Geschäftsführer von Huth + Fricke in jüngster Zeit vermehrt festgestellt, dass die Menschen wieder in die Läden kommen, weil sie vom Interneteinkauf, der Überfülle an Auswahl, der fehlenden Beratung und dem vielen Hin- und Herschicken ernüchtert, wenn nicht gar frustriert sind.

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