Online: 14.09.2018 - ePaper: 15.09.2018

Heimatshoppen: EJZ-Redakteurin Daniela Muchow fordert die Leute in ihrem Kommentar auf, vor Ort einzukaufen

Von Daniela Muchow

Haben Sie schon mal einen Radiergummi im Internet bestellt? Wie praktisch ist es doch, zwei bis drei Tage später einen Briefumschlag im Kasten zu finden. Und oh ja, was für eine Vorfreude. Fast wie bei der Wundertüte aus der Kindheit, gepaart mit dem Glücksgefühl, ein Schnäppchen gemacht zu haben - Porto war fast teurer als der Inhalt der Sendung. Stopp. Bevor Sie nun abwinken und über den Rand der Kaffeetasse den Kopf schütteln, sage ich Ihnen: Die Geschichte ist wahr. Family Affair. Mein Kollege hat sie mir erzählt, als ich ihm von den Ergebnissen zu den Heimat-Shoppen-Artikeln berichtete.

Meine Reaktion war womöglich wie Ihre: Kopfschütteln. Warum wartet man tagelang auf einen kleinen Gebrauchsartikel, anstatt diesen mal eben schnell in Lüchow zu kaufen? Warum ist man bereit, Porto zu bezahlen, anstatt zum Händler vor Ort zu gehen? Könnte man sich doch noch glatt zwei Kugeln Eis gönnen.

Auch ich kann nicht alle Begehrlichkeiten vor Ort befriedigen, aber zu 95 Prozent. Natürlich habe auch ich schon im Internet bestellt. Ist aber nicht so mein Ding. Spätestens wenn der Paketbote mich an der angegebenen Adresse nicht ausfindig machen konnte und die Sendung zurück ins Logistikzentrum gegangen ist, verging mir beim langen Warten die Lust am schnellen Klick. Freude am Einkauf fühlt sich anders an. Beispielsweise, wenn ich mir die Mühe des Gegenchecks beim Preis mache, und feststelle: Der Fernseher, den ich am verkaufsoffenen Sonntag in Dannenberg kaufte, war keinen Cent teurer als im Internet. Und der Händler hat ihn mir auch noch zum Auto gebracht. Bei der neuen Waschmaschine ist er nahezu mit dem Preis mitgegangen, den ich im Netz ergoogelt hatte. Und was für ein Zufall: Die Wunschmaschine stand sogar direkt zum Mitnehmen im Laden. Kein Warten auf die Spedition, die das Zeitfenster doch nicht halten kann.

Es hängt doch alles mit allem zusammen: Wir kennen viele der Händler vor Ort. Wir sorgen für ihren Lebensunterhalt, sie für die Wunscherfüllung und die Attraktivität unserer kleinen Städten, die Auswärtige so bestaunen. Die Geschäftsleute und ihre Mitarbeiter engagieren den Handwerker des Ortes, gehen ins Restaurant, buchen Musikunterricht und Reitstunden für ihre Kinder, lesen Zeitung, machen regelmäßig Termine beim Friseur. Wir alle haben es in der Hand, wie unsere Städtchen in Zukunft aussehen. Wer weiterdenkt, ist näher dran. Oder was meinen Sie?

In diesem Sinne ... Augen auf, Verstand an und viel Spaß beim Wochenendeinkauf im Wendland!

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