Online: 05.10.2017 - ePaper: 06.10.2017

Weniger ausgezahlt als eingezahlt

Betrifft: Artikel "Mit Betriebsrente vorsorgen" (EJZ vom 16. September)

Vergeblich habe ich im Artikel "Mit Betriebsrente vorsorgen" den Hinweis gesucht, dass es sich hierbei um Wahlwerbung oder aber um eine Anzeige von Arbeitsministerin Andrea Nahles handeln würde. Der Artikel erweckt vielleicht bei den einen oder anderen Leser den Eindruck, dass das neu überarbeitet und ab 2018 gültige Betriebsrentenstärkungsgesetz eine tolle Sache für den Geringverdiener und seinen Arbeitgeber ist.

Wir erwarten in den nächsten Jahren einen enormen Anstieg der Altersarmut. Folglich werden die staatlichen Aufwendungen für die Grundsicherung erheblich zunehmen. Um dieser Entwicklung etwas entgegenzusetzen, hat sich Frau Nahles etwas ausgedacht, was uns nun als Wohltat für die Menschheit schmackhaft gemacht werden soll. Insbesondere die Geringverdiener sollen Vorsorge betreiben, damit sie im Alter dem Staat und ihren Kindern nicht so auf der Tasche liegen. Toll, aber wo ist da der Haken?

Die monatlichen Betriebsrentenbeiträge werden einfach vom Bruttolohn abgezogen, womit sich das Brutto-Einkommen verringert hat. Folglich verringern sich auch alle Steuern und Sozialversicherungsbeiträge entsprechend,

welche vom Lohn einbehalten und abgeführt werden, was übrigens besonders dem Arbeitgeber freut, denn die Arbeitgeberanteile sinken ebenfalls. Fatal ist jedoch, dass weniger Geld in die gesetzliche Rentenversicherung

eingezahlt wird. Wird also weniger in die gesetzliche Rente eingezahlt, wird auch weniger ausgezahlt. Und das gilt für alle gesetzlich Rentenversicherte, egal ob mit oder ohne betriebliche Altersversorgung. Egal ob bereits verrentet oder noch nicht.

Wie immer kommt das dicke Ende zum Schluss. Wird die Betriebsrente ausgezahlt, fordert das Finanzamt die gesparten Steuern zurück, da kommen schnell mal 10000 Euro und mehr zusammen. Übrigens: Die BR-Beiträge dürfen vom Versicherer risikoreich angelegt werden. Im schlimmsten Fall könnte das Totalverlust bedeuten. Aber auch, wenn alles planmäßig läuft, bekommt man weniger raus, als man eingezahlt hat, so jedenfalls die Meinung der Rentenfachleute.

Es gibt aber auch ein Trostpflaster: Muss der Staat trotz aller Vorsorge die Rente aufstocken, dürfen von der Rente 100 Euro monatlich sowie 30 Prozent der nun verbleibenden Betriebsrente unangetastet bleiben. Die verbleibenden 70 Prozent werden jedoch auf die Aufstockung angerechnet. Es gibt die Möglichkeit, sich zusätzlich über die gesetzliche Rente zu versichern. Vielleicht sollte man sich dort mal kostenlos beraten lassen, denn: Wenn einer von der Rente lebt, dann hat er offenbar geklebt.

↔Michael Turban,

↔Klein Breese

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