Online: 10.11.2017 - ePaper: 11.11.2017

Veganer städtisch geprägt

Betrifft: Hilal Sezgin " Mehr als eine Ernährungsweise" (EJZ vom 7. November)

Frau Sezgin hat sich mit ihren veganen Hardcore-Publikationen eine Marklücke erschlossen, von der sie offensichtlich gut leben kann. An ihrer Person kann man gut sehen, wo das Problem der Veganer-Bewegung liegt. Es ist eine rein städtisch geprägte Bewegung, die globale Agrarstrukturen entweder nicht sieht oder nicht sehen will. Keiner dieser Leute hat mir bis jetzt auf folgende Fragen geantwortet, die ich ihnen bei vielerlei Gelegenheiten gestellt habe: Sollen landwirtschaftliche Haustierrassen (Rinder, Schafe, Ziegen, Schweine, Hühner usw.) aussterben bis auf Restbestände in Streichel-Einrichtungen? Was passiert mit den globalen Grünlandbiotopen (Steppen, Savannen, Heideflächen, Bergwiesen, Deiche usw.), die gerade durch die Beweidung durch Vieh wichtige CO2-Speicher sind? Was passiert mit den kleinen Bauernwirtschaften, die ausschließlich in ungünstigen Lagen auf absolutem Grünland Milchwirtschaft betreiben und dabei eine wichtige landespflegerische Funktion erfüllen? Was passiert mit den Hüteschäfereien, die die Heideflächen und Deiche erhalten? Sollen deren Tiere zu Tode gestreichelt werden? Was passiert mit den nomadischen Völkern zum Beispiel in Afrika oder auch am Polarkreis (Rentiere, Karibus), bei denen ihre Tiere die Lebensgrundlage sind, oder mit den kleinen Subsistenzwirtschaften, wo eine Kuh und ein paar Hühner ganze Familien ernähren?

Ich könnte die Frageliste endlos fortführen. Zum Schluss diese Feststellung: Die moderne Massentierhaltung ist ein großes Übel sowohl aus tierethischen Gründen, weil das Mitgeschöpf Tier zum reinen Produktionsmittel degradiert wird, als auch aus globaler Sicht auf die begrenzten Ressourcen unserer Erde. Nahrung, die für Menschen nötig wäre, wird über den Tiermagen vergeudet. Die Emissionen dieser Haltungsform schädigen Klima und Grundwasser. Aber, und das sei Menschen wie Hilal Sezgin und ihren Anhängern ins Stammbuch geschrieben: Bei diesem komplexen Thema muss man schon genau hinsehen und nicht aus publizistisch-ideologischem Opportunismus das Kind mit dem Bade ausschütten.

↔Wolfgang Eisenberg, Bösen

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