Online: 17.11.2017 - ePaper: 18.11.2017

Insektensterben von Autoren offensichtlich dramatisiert

Betrifft: Insektensterben und moderne Landwirtschaft (EJZ vom 8. November)

Auf Grund einer Studie über einen Rückgang der Insektenbiomasse an einigen wenigen ausgewählten Standorten in Deutschland spricht man zur Zeit von einem Insektensterben. Auch die EJZ hat dem Thema am 8. November einen Artikel gewidmet. In den Leserbriefen der selbst ernannten Experten zum Thema Landwirtschaft und Umwelt ist auch der Schuldige bereits ausgemacht. Es ist die moderne Landwirtschaft und insbesondere der Einsatz von Glyphosat. Das ist ja nichts Neues.

Befremdlich finde ich allerdings, dass auch im Artikel von Herrn Boick mehrfach ein Zusammenhang mit der modernen Landwirtschaft genannt wird. Die Studie, auf die sich alle beziehen, wurde vom kritischen Wissenschafts-Blog "Science Files" auseinandergenommen. Danach wurden lediglich Daten von 1989 bis 2016 von insgesamt 63 verschiedenen, nicht repräsentativen Orten in unregelmäßigen Zeitabständen zusammengetragen, im Durchschnitt von 3,5 Orten pro Jahr. Nicht überall war ein Rückgang zu verzeichnen. Die Autoren wollten offensichtlich dramatisieren, da sie als Bezugsjahr 2016 gewählt haben, obwohl die Datenlage gerade für dieses Jahr besonders dünn war. Hätte man 2014 gewählt, für das die mit Abstand beste Datenlage bestand, wäre der Rückgang wesentlich geringer ausgefallen. Die Behauptung, in Deutschland sei die Anzahl der Insekten in den letzten 27 Jahren um 76 Prozent zurückgegangen, ist durch die Daten in keiner Weise belegt.

Rückschlüsse auf die Ursache lassen sich schon gar nicht ziehen, was die Autoren auch selbst ausdrücklich gesagt haben. Wie kann es sein, dass trotzdem für viele selbsternannte Experten, für die Umweltverbände und für viele Medien klar ist, es kann nur die moderne Landwirtschaft sein. Zum Thema Dramatisierung empfehle ich, sich mal die Dokumentation über das Waldsterben aus heutiger Sicht "Und ewig sterben die Wälder" bei YouTube anzuschauen. Darin wird gezeigt, wie sich in den 1980er-Jahren Umweltverbände, Grünen-Politiker und Medien gegenseitig mit Horrorszenarien überboten haben, wann der deutsche Wald vollständig verschwunden sein wird. Nichts davon ist eingetreten. Im Gegenteil. Der Wald in Deutschland hat deutlich an Fläche und Holzvorrat zugenommen. Diese Dokumentation wurde im Auftrag des Bayrischen Rundfunks produziert, aber nur einmal bei Arte gezeigt. Eine Ausstrahlung in der ARD sollen die Umweltverbände verhindert haben.

↔Karl Kühn,

↔Künsche

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