Online: 17.11.2017 - ePaper: 18.11.2017

Geld vor Artenvielfalt?

Betrifft: Mähen von Straßenrändern bei Kreisstraßen

Drastischer Rückgang der biologischen Vielfalt weltweit, auch bei uns Insektensterben. Der Landkreis muss handeln. Vor diesem Hintergrund hat die Gruppe grüneXsoli im Kreistag einen Antrag im Umweltausschuss gestellt, die Seitenränder der Kreisstraßen so zu mähen, dass die Begrenzungspfähle wegen der Verkehrssicherheit gut sichtbar sind, die übrige Fläche der Seitenstreifen aber nur einmal im Jahr, und zwar im frühen Frühjahr gemäht werden. Das Vorgehen sei laut Verwaltung aus Sicherheitsgründen und "aus ökonomischer und ökologischer Sicht negativ zu bewerten".

Zur Ökologie: Wir haben rund 300 Kilometer Kreisstraßen. Der Abstand zwischen den frei gemähten Begrenzungspfählen und den angrenzenden Ackerflächen, Wiesen oder Wald beträgt nach meinen Beobachtungen im Durchschnitt etwa zwei Meter. Das wäre eine Fläche von 1200000 Quadratmeter an beiden Seiten. Das entspricht 120 Hektar Blühstreifen mit zahlreichen Pflanzenarten (Saumbiotope), die Insekten Nahrung und Schutz bieten könnten, jetzt jedoch als Fläche für den Erhalt der biologischen Vielfalt verloren gehen. Die Saumbiotope haben nicht nur als ökologisch wertvolle Fläche eine Bedeutung, sie vernetzen auch Biotope und helfen, dass Insekten, Spinnen oder Kleinsäuger sich ausbreiten können und ihr Bestand gesichert bleibt. Laut Verwaltung wird ein erhöhter Blütenreichtum zur ökologischen Todesfalle, weil er Insekten anlockt, die durch Autoschlag oft vernichtet werden. In Anbetracht des Insektensterbens überzeugt mich das Argument nicht. Natürlich bleiben viele Insekten an Windschutzscheiben kleben. Doch zum einen bleibt der Bestand erhalten, Verluste werden bei ausreichender Nahrung ausgeglichen, zum anderen breiten sich die Insekten in die Vegetation wenig befahrener Straßen, angrenzender Feldwege, Gräben, Böschungen aus. Zum Argument der Verwaltung, es kommt " zu einer erheblichen Erhöhung der Wildunfälle": Jagdverbände, Polizei oder ADAC sagen einheitlich: Hauptursache von Wildunfällen ist unangemessene Geschwindigkeit. An der K6 zwischen Jiggel und Gistenbeck, deren Randstreifen sauberst gemäht werden, beobachte ich seit Jahren, dass es häufig zu Wildunfällen kommt. Das Argument höherer Kosten durch das Weniger-Mähen, ist nicht nachzuvollziehen? Ich frage ich mich, was ist es der Verwaltung wert, die biologische Vielfalt im Landkreis zu erhalten? Geld vor Artenvielfalt? Übrigens: An der L 261 Clenze-Lüchow oder an Bundesstraßen, der B 493 Lüchow-Schnackenburg wird, den Vorgaben des Merkblattes für den Straßenbetriebsdienst entsprechend, nur ein Stück weit bis hinter die Begrenzungspfähle regelmäßig gemäht, der restliche Bereich nur einmal im Jahr.

↔Hermann Klepper, Banzau

↔Mitglied Umweltausschuss

↔SOLI-Fraktion

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