Online: 24.11.2017 - ePaper: 25.11.2017

Behindert und geknebelt

Betrifft: Zensur in der Nachkriegszeit

Inzwischen ist die bisher als "rechtspopulistisch" eingestufte AfD in der Medienberichterstattung einer Metamorphose unterworfen - allerdings nur dort. Sie hat neuerdings Anspruch auf das Stigma "rechtsradikal". Ein Avancement, das man seither - ebenfalls zu Unrecht - nur der NPD zuerkannte. Wer das zurückhaltende und höchst bescheidene Auftreten dieser AfD betrachtet, kommt nicht um die Frage herum: Bis zu welchem Gerade muss die Zaghaftigkeit in der Wahrnehmung deutscher Interessen eigentlich zurückgeschraubt werden, um Gnade und Verzeihung zu erlangen?

Die gesamte deutsche Nachkriegsgeschichte ist von einem Kotau nach dem anderen vor den Siegern und Mitsiegern gekennzeichnet. Willig wurden die Erzeugnisse der Kriegs- und Nachkriegspropaganda zur Grundlage der Zeitgeschichtsschreibung gemacht. Der sich schon frühzeitig regende Revisionismus, die angesichts der vorgefundenen Verhältnisse natürlichste Sache der Welt, wurde durch Indizierungen und Konstruktion geeigneter Gesetze nach Kräften behindert und geknebelt. Seit 1945 wurden etwa 50000 Bücher indiziert oder vernichtet. Meiner Meinung nach die größte Bücherverbrennung aller Zeiten. Die öffentliche Ächtung durch Bücherverbrennung im 3. Reich, ein symbolischer Akt, brachte es nur auf ein Zehntel dieser Zahl. Im Gegensatz zu heutigen, von mir selbst erlebten Ereignissen, blieben hierbei die Bücherschränke in Privatwohnungen undurchforscht. Eine Überprüfung ergibt, dass sich dieses Vorgehen in Vergangenheit und Gegenwart als nutzlos und untauglich herausstellte. Weder dekretierte Gesetze noch Blockierungen in puncto "Offenkundigkeit", um Beweisanträge abzuwehren, können den Fortgang der Forschungsergebnisse aufhalten. Wie schrieb Friedrich Hebbel (1813 - 1863) über die Zensur? "Haltet die Uhr nur an und denkt, nun wird es nicht Abend! Stand die Zeit schon still, weil ihr Weiser (Zeiger) es tat?"

Klaus Baade, Lüchow

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