Online: 24.11.2017 - ePaper: 25.11.2017

Alles wegbügeln, was wichtig ist

Betrifft: Kommentar "Insektensterben - stört´s jemanden?" von Detlef Boick (EJZ vom 11. November)

Ja, Herr Boick, es stört. Und sofort muss was passieren, praxisnah und wirksam. Die Anträge von Hermann Klepper (SOLI) kommen immer weit dem Zeitgeist voraus, wohl wissend um die Jahrzehnte Latenzzeit, die es braucht, um (vorsätzlich) Versäumtes aufzuholen.

Hurra (?), der Landkreis hat einen Master(Meister-?)plan 100-Prozent-Klimaschutz, 168 Seiten gequältes, geduldiges Papier. Aber bitte, wer in der dazugehörigen Verwaltung lässt dringend notwendige Vorschläge in Alltagshandeln übergehen? Da wird jedes Mal alles weggebügelt mit den fadenscheinigsten Ausreden, an die Wand reden, bis uns der Himmel auf den Kopf fällt. Modellregion eben.

Intelligentes Mähen der Seitenstreifen an Kreisstraßen, 300 km, gleich rund 1,2 Mio. Quadratmeter Blühstreifen, umsonst, ohne EU-Programm, das hat Klepper beantragt. Und wenn die Gemeinden nachzögen, gäbe es ein Vielfaches dazu. Die Idee ist nicht neu, an Landes- und Bundesstraßen wird so verfahren.

Ja, Herr Boick, es wäre schön, wenn die EJZ registrieren (und schreiben) würde, wer ständig mit konkreten Anträgen versucht, den Untergang aufzuhalten. Genau an dem Tag, als die EJZ beschrieb wie Verwaltung und Ausschussmehrheit Kleppers Antrag zerpflückten, steht auch Ihr Kommentar in der EJZ. Sie vermissen darin stärkere Reaktionen zum Insektensterben. Und ich vermisse Ihre Reaktion, nämlich den Zusammenhang herzustellen, und die praktische Ignoranz zu geißeln.

Hühnertrockenkot, genau das gleiche. Seit Jahren von Klepper belegt, mit Fotos und allem. Aber die Verwaltung behauptet, alles liefe nach Vorschrift und antwortet der EJZ nicht einmal auf Fragen. Und Stickoxide? Oje, aber die EJZ entwarnt gleich: Ist ja nur berechnet. Außerdem, der Grenzwert schützt ja. Eben nicht, wie wir nicht erst, aber aus dem Atombereich wissen. Alles Mumpitz. Und eben nicht neu.

Schon vor über zehn Jahren brachten wir Anträge zum Thema Ozon - das aus Stickoxiden entsteht - in die Gremien. Mit Hinweis auf viele medizinische Studien, die nachweisen, dass Ozon-Grenzwerte viel zu hoch sind, insbesondere für Kinder und Jugendliche. Das führt wiederum zu irreversiblen Lungenschäden, schleichend, Latenzzeit unter Umständen Jahrzehnte. Weggebügelt damals von Verwaltung und Kreistagsmehrheiten.

Tausende (vorzeitige) Tote pro Jahr in Deutschland - durch Lärm übrigens nachgewiesenermaßen genauso.

Der Dieselbetrug kostet Leben. Dafür wird niemand verurteilt. Die Lockzuschüsse der Autoindustrie lassen das schnell vergessen.

Und die Schwampel, ach ja, Jamaika, klingt besser, nach Südseeurlaub und nicht nach schwammig. Die hätten alles weggebügelt, was wichtig ist. Faule Kompromisse, kleinste gemeinsame Nenner nützen keinem, nicht den Insekten, nicht den Menschen, nicht dem Planeten.

Kurt Herzog, Dannenberg, Vorsitzender der SOLI-Fraktion im Kreistag

^ Seitenanfang