Online: 24.11.2017 - ePaper: 25.11.2017

Die Verwaltung führt ein Eigenleben

Betrifft: Artikel "Ärger und neue Ideen" (EJZ vom 13. November)

Freiheit oder Sicherheit, das ist eine moderne Problematik, die sich normalerweise auf der großen Bühne der Menschenrechte tummelt. Nun ist sie auch in den Niederungen des Sports angekommen. Alles fíng damit an, dass das niedersächsische Innenministerium erlassen hat, dass Sport- und Kulturveranstaltungen von der Polizei nicht mehr begleitet werden dürfen.

Die IGAS Wendland richtet seit über 25 Jahren Sportveranstaltungen auch auf öffentlichen Straßen aus, und schon seit Jahren merken wir verschärfte Auflagen des Landkreises. Das nimmt sogar solche Ausmaße an, dass die IGAS als Veranstalter aus der Verwaltung die Aussage erhält, dass sie unglaublich viele Schilder aufstellen muss. Beim Abholen der Schilder heißt es aber auf einmal, dass gar nicht genug Material da sei. Das muss dann mit viel Aufwand, einer Menge Zeitstress und Geld aus Ludwigslust geholt werden. Unglaublich, oder?

Nun hat die Polizei sich aus der Verantwortung genommen. Warum aber die Bundesligen im Fußball oder verschiedene Schützenfeste im Landkreis trotzdem von der Polizei begleitet werden, vermag ich nicht zu verstehen. Und - das kann ich als Teilnehmer vieler Radveranstaltungen beurteilen - wir haben praktisch nie Polizei bei den Radrennen zu Gesicht bekommen.

Was sollen nun die vielen bürokratischen Stolpersteine auf unseren Wegen? Die Verwaltung versteckt sich hinter der Polizei, die sich in Person von Herrn Richter zu der Aussage versteift, dass niemand zu Schaden kommen solle. Das ist milde gesagt lächerlich, denn es ging hier nie um meine Sicherheit als Teilnehmer einer Sportveranstaltung. Es geht der Polizei und der Verwaltung lediglich um Haftungsfragen. Keiner will haftbar gemacht werden. Beim diesjährigen Duathlon in Gartow waren die Auflagen derart konfus, dass es für die Teilnehmer gefährlicher wurde. Mit dem Argument, eine Veranstaltung so sicher zu machen, wird sie kaputt gemacht. Hier wird Sicherheit gegen Freiheit ausgetauscht. Es ist meine Entscheidung, bei einem Radrennen ein gewisses Risiko auf mich zu nehmen. Wir fahren da im großen Pulk ein unglaubliches Tempo - das ist nicht ohne Risiko.

Es hat nun schon diverse Radveranstaltungen getroffen, die nicht mehr stattfinden: Der 8-Stundenritt von Hitzacker, der Wendlandgiro, die Tour de Wendland und der Duathlon. Dies waren alles Rennen mit insgesamt vielen hundert Teilnehmern, die jetzt nicht mehr in den Landkreis kommen. Sollte Sport nicht eigentlich gefördert werden? Die Verwaltung und die Polizei führen - mal wieder - ein absurdes Eigenleben am Bürger vorbei. Ich frage mich, wer grenzt die eigentlich ein? Warum machen sie nicht das, was für die Bevölkerung wichtig ist? Wie kommt es zu absurden Auflagen, die für mich als Sportler nichts sicherer machen? Hier sollte die Politik eingreifen, dafür habe ich sie gewählt. Es kann nicht sein, dass die Verwaltung uns gängelt und mit Phrasen abspeist. Ich will das nicht glauben.

Florian Schier, Bösel

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