Online: 08.12.2017 - ePaper: 09.12.2017

Konsum als Droge gegen Stress und Frust

Betrifft: Klimawandel

Es sieht nicht gut aus. Unwahrscheinlich, dass Deutschland sein Klimaziel erreichen kann. Die CO2-Emissionen sinken nicht, sie steigen. Es ist alles gesagt: Unsere Art zu leben, ohne Maß, verstrickt in der Diktatur unaufhörlichen Wirtschaftswachstums, führt, wenn wir so weitermachen, durch Erderwärmung und Naturzerstörung zum Kollabieren des Planeten Erde, zur Zerstörung der Lebensgrundlagen des Homo sapiens. Schon jetzt ist Realität, dass jährlich weltweit 20 Millionen Menschen flüchten vor Überschwemmungen und Dürren. In den kommenden etwa drei Jahrzehnten entscheidet sich das Schicksal aller Generationen nach uns. Das ist die Situation.

Vielen Menschen sind Ursachen und Folgen der Klimaerwärmung sowie der Übernutzung der Erde bewusst, doch nur wenige, circa acht Prozent, ändern ihr Konsumverhalten hin zu ressourcenschonenden und energiesparenden Lebensstilen. Wie kommen wir vom Wissen zum Handeln? Diese Frage wird viel diskutiert. Ein erforderlicher Schritt hin zum Handeln ist, sich der Ursachen bewusst zu werden, die unser Konsumverhalten beeinflussen, die es uns schwer machen, zu handeln.

Es ist schwer, vertraute Gewohnheiten zu ändern, besonders dann, wenn der Alltag uns belastet. Und die Verlockungen sind groß, die uns in unserem Wirtschaftssystem des ständigen Produzierens und Verkaufens von Gütern umgeben. Millionen Euro werden ausgegeben für eine Werbung, die diesen Kreislauf am Leben hält, eine Werbung, die unaufhörlich neue Anreize zum Kaufen von Produkten schafft, die unsere Psyche anspricht, wie: "Das Beste ist grad gut genug" oder "Das hast du dir verdient". Statussymbole wie ein neues Auto, neueste Mode, das neueste Smartphone oder Luxusreisen sollen uns Anerkennung bringen. Shoppen gehen gibt uns kurzfristig ein Wohlgefühl, Konsum als Droge gegen Stress und Frust. Es gibt Verlockungen wie "Shopping-Nächte", Schnäppchen, Billigflüge, günstige Kreuzfahrten in die ganze Welt. Alle machen das, und ich möchte dazugehören. Und die Wahrnehmung, dass alle Welt so konsumiert, es "normal" ist, hilft bei der Verdrängung und täuscht über die Brisanz der Auswirkungen auf das Klima und das Leid der Menschen in anderen Ländern hinweg, deren Lebensgrundlagen wir verbrauchen.

Wir haben in unserer Evolution zur Menschwerdung nicht die Fähigkeit erworben auf Katas-trophen, die schleichend auf uns zukommen, rechtzeitig zu reagieren, seien es der Klimawandel oder Sterben der Arten. Ständen Klimawandel und Artensterben als Höhlenbär im Eingang unserer Höhle, sähe die Welt anders aus.

Und es ist die Ohnmacht, die ich als einzelner Mensch spüre in dem ganzen chaotischen Weltgeschehen. Was bringt es denn überhaupt, wenn ich mich selbst begrenze, nur das konsumiere, was ich wirklich brauche, ein kleineres Auto fahre, auf Flugreisen verzichte oder weniger Fleisch esse? Gibt es eine Lösung?

Hermann Klepper,

Banzau

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